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Auf der Agenda 2010 steht das Große Sterben
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Maintainer: Olaf Boerger, Version 1, 22.05.2003  Druckversion
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Auf der Agenda 2010 steht das Grosse Sterben

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Homo politicus – was nun? Gordische Knoten wie Sand am Meer – selbst den neoliberalen Alexanders steht die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Die ehemals nur allein wütendenden Krisenungeheuer Inflation, Deflation, Stagflation, Rezession feiern als globale Hydra die finale Party auf der sinkenden Akkumulations-Titanic im Meer der totalen Paralyse. Selbst straff neoliberale Postillen wie die Financial Times Deutschland können nur noch das Ende der Wirtschaftspolitik vermelden und fordern dennoch hysterisch (...die Lage ist...dramatisch, düster, katastrophal...) als postmoderne “Wendehälse“ ein Zurück zum “Keynesianismus“ bzw. “Etatismus“ (“Deficit Spending“ bzw. “Bad Bank“) – obwohl gleichzeitig selbstredend weiterhin von “Deregulierung“ (sprich: “Entrechtlichung“) fieberphantasierend. “Der“ “Staat“ soll es (hin-)richten.

Letales Simulationstheater

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Doch auf der “politischen“ Vermittlungsebene sieht es keinen Deut anders aus: UNBEGRENZTE HANDLUNGSUNFÄHIGKEIT. Da de facto nichts mehr geht, muss, ähnlich der kollabierten Akkumulationssimulation (“Börsencrash“ - alias das jähe Ende des simulierten, allseits als “Naturgesetz“ beschworenen “Wachstums“), die letale Regulationssimulation (alias “Finanzierungsvorbehalt“)herhalten: “Privatisierung“ (ab in den Billiglohn – also “Kaufkraftvernichtung“), “Deregulierung“ (s.o.: “Entrechtlichung“ –viva la Anomie, viva la Ruanda, Somalia, Afghanistan, Kolumbien, Kongo etc.) à la “Hartz“ und “Agenda 2010“, aber auch “Tobinsteuer“ und dergleichen als das Nichts, das das Nichts “regulieren“ soll (ja, was denn nun: “regulieren“ – oder doch “deregulieren“???).

Dumm, Dumm, Dumm - das "ICH" bringt alle um

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Selbst die Sesamstrasse bringt es auf mehr Reflexion: Es wird nicht gefragt („...wer nicht fragt, bleibt dumm.“ – als reale Hardcore-Version: „...wer nicht fragt, kommt um.“), was das eigentlich ist, was da gerade global kollabiert, sondern nur darüber “verhandelt“, wer denn “diesmal“ “dran glauben muss“; wen mensch “über die Klinge springen lässt“, damit “alles wieder gut wird“ (Opferkultwahn der Verwertungsreligion). Doch denkste!!! – daraus wird in dieser gesellschaftlichen Form nichts.

Heul doch

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Allein die schon “umgesetzte“ Farce der Farce alias “Hartz“ ist sowohl “unfinanzierbar“ als auch katastrophal in ihren Auswirkungen: So ist z.B. postwendend der “Markt“ für “Fortbildung“ eingebrochen (Tausende “Lehrerjobs“ (aber somit natürlich auch wieder “reale Nachfragepotenz“) sind bedroht). Doch auch die anderen “Sparmaßnahmen“ erweisen sich als Rohrkrepierer. Schon 2001 und 2002 outete sich diese “Konsolidierung“ als “Wachstumskiller“, der je nach Schätzung zwischen 0,2 bis 0,5% “Wachstum“ “kostete“. Desgleichen zeitigt der allseits geforderte “Subventionsabbau“, wo umgesetzt, kolossale Erfolge: Nachdem bekannt wurde, dass der Mehrwertsteuersatz für Schnittblumen sowie für Zahnersatz von 7 auf 16% angehoben wird, folgte dem die Ankündigung des Abbaus von 10 000 bzw. 35 000 Stellen. Grandios. Und die tolle “Agenda 2010“ ließ schon mal vorab die ohnehin nahezu bankrotte Versicherungsbranche aufschreien, die durch die geplante Absenkung der Vermögensfreibeträge und Leistungsbezüge für Arbeitslose vollkommen zurecht einen Exodus laufender Lebensversicherungen kommen sieht – die Financial Times Deutschland wiederum monierte weinerlich die damit einhergehende “Kaufkraftvernichtung“.

Stumpf ist Trumpf

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Das Tal der Tränen ähnelt immer mehr einem gigantischen Stausee. Ob die Schließung zahlreicher weiterer Bundeswehrstandorte, das Zurückfahren der Ausgaben zum Erhalt der Infrastruktur, Kürzung des Zuschusses für Kurorte, Firmenwagensteuer, Eigenheimzulage, Kürzungen der ABM, Umschulungs- und Weiterbildungszuschüsse durch die Bundesanstalt für Arbeit (so kündigte z.B. die AWO Duisburg jetzt 21 Mitarbeitern (Pädagogen, Verwaltungskräfte, Anleiter, Psychologen, Meister – die unendliche Geschichte: “Kaufkraftvernichtung“), weitere 42 Zeitverträge werden nicht verlängert – und ganz toll: 1400 Jugendliche stehen demnächst auf der Straße), usw. usw. usw. usw. usw. usw. usw. ... – überall Zeter und Mordio. “Alle“ zeigen auf die “Anderen“ – tja, nur auf wen denn dann eigentlich? (Kurioserweise trifft diese polit-ökonomische “Heisenberg`sche Unschärferelation“ genau die “schizoide Pointe“ – schöne Grüße vom “AUTOMATISCHEN SUBJEKT“ (Marx).)

Nein, wir gucken nicht durchs Teleskop!!!

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Aber natürlich wird es auch nach dem angekündigten (Sozial-)Massaker an den “Anderen“ oder gar “Überflüssigen“ kein neues “Wachstum“ mehr geben. Um das zu begreifen, kommt mensch nicht um die Sesamstrasse herum – also die Fragen: Was ist “Ware“?; Was ist “Arbeit“?; Was ist “Wert“?; Was ist “Geld“?; Was ist “Mehrwert“?; Was ist “Profit“?; Was ist “Zins“?; Was ist “Markt“?; Was ist “Ökonomie“?; Was ist “Politik“?; Was ist “Politische Ökonomie“?; Was ist “Staat“?; Was ist “Produktivkraftentwicklung“ (DRITTE INDUSTRIELLE REVOLUTION)? (siehe auch: Robert Kurz; `Die Himmelfahrt des Geldes`; in: `Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft` (Zeitschrift); Ausgabe 16/17; Horlemann-Verlag; 1995; www.krisis.org ) – anstatt all das als “Ewige Konstanten“ einfach so vorauszusetzen (- oder aber auch nicht wahrzunehmen – siehe folgenden Absatz).

Hallo Henry!!!

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Dabei zeigt gerade der Begriff der “Produktivkraftentwicklung“ (Herstellung von immer mehr Gütern (im kapitalistischen Sinne natürlich von “Waren“) mit immer weniger Menschen (also “Arbeit“)(siehe auch: Robert Kurz; `Der Mythos der Produktivität`; www.krisis.org ;Rubrik: `Weitere Texte von Krisis-Autoren`)) die Unmöglichkeit weiteren “Wachstums“, da “Kapitalismus“ ein System ist, das auf der Anhäufung von Zeit beruht (Akkumulation von menschlichen “Arbeitsquanta“ (ja,ja – nur die menschliche Arbeitskraft, nicht Maschinerie, ist “mehrwertschöpfend“); dargestellt in der “Geldform“), gleichzeitig jedoch die Zeit fortlaufend überflüssig macht (Produktivkraftentwicklung in der Konkurrenz – also “Wegrationalisierung“ (aber eben auch “niederkonkurrieren“) von “Arbeitsplätzen“ (gesamtsystemisch gesehen also immer weniger “reales“ “Geld“, aber auch dementsprechend weniger “Kaufkraft“); das System gräbt sich also seine eigene Substanz ab. Doch der ganze derzeitige “Diskurs“ fällt sogar noch hinter die krude-geniale Erkenntnis eines Henry Ford zurück: “Autos kaufen keine Autos“.

Sag` mir, wo das Hirn hin ist, wo ist es geblieben...

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Selbst wenn mensch also die aus kapitalistischer Sicht “überflüssigen“ 5,5 Mrd. Menschen verrecken ließe (was diese sich ganz bestimmt einfach so gefallen lassen werden (globaler Terror und Amok lassen grüßen)) und selbst noch außer acht ließe, dass die 500 Mio. verbliebenen “Gewinner“ dann auf Aggregaten säßen, die locker die gesamte gegenwärtige Menschheit reproduzieren (sprich: gut am kacken halten) könnten (natürlich auch außen vor: Wer soll die ganzen “schönen“ “Waren“ denn dann noch “kaufen“?????), so wird es auch danach keine neue “Akkumulation“ mehr geben, da der konkurrenzgetriebene Prozess der “Wegrationalisierung“ selbstverständlich nicht aufhören würde (So ist z.B. in “Japan“ vor kurzem die erste vollautomatische Reifenproduktion angelaufen, die auf einem Drittel der Produktionsfläche die doppelte Produktivität erreicht – oder werden in der Schieferbearbeitung (bislang noch recht “arbeitsaufwändig“) derzeit die ersten Roboter eingesetzt – aber auch im Handel z.B. (also der “Warenzirkulation“) werden jetzt auch in “Deutschland“ automatisierte Kassen eingeführt. Was das alles für Auswirkungen auf die sogenannte “Beschäftigung“ haben wird, bedarf wohl keiner großen “seherischen“ Gabe).

Freie Bahn für den Wahn

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Somit wird natürlich auch die “Politik“ immer handlungsunfähiger, da diese ihr “Handlungsmedium“ (nämlich das “Marktmedium“ “Geld“) ja auch nur aus “gelingenden“ “Marktprozessen“ “abschöpfen“ kann (über “Abgaben“ und “Steuern“) – und dann den abgeschöpften “Mehrwert“ entsprechend der “notwendigen“ “Rahmenbedingungen“ “umverteilt“ (siehe auch: Robert Kurz; `Die Unselbständigkeit des Staates und die Grenzen der Politik`; www.krisis.org ;Rubrik: `Weitere Texte von Krisis-Autoren`). Doch wo nichts ist, kann auch nichts “umverteilt“ werden; zumal der jeweilige “nationale“ Handlungsspielraum durch die sogenannte “inter-nationale Standortkonkurrenz“ (die heute schon ganz klar eine transnationale ist (bedingt durch die Transnationalisierung (Konzentration des “Kapitals“, bei gleichzeitiger globaler Zergliederung der Produktionsabläufe) – sprich: Globalisierung der “Arbeitsteilung“)) quasi auf null eingeschnürt wird. (Die letale Zwangsjacke für das “Globaalaballa“-Irrenhaus.)

Rage against the machine

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Wenn mensch also fragt: Was tun? – dann auf keinen Fall mehr in den ach so “selbstverständlichen“ “Kategorien“ (“Wert“, “Geld“, “Ware“ (“Tauschwert“), “Markt“, “Politik“, “Staat“) - denn das würde die finale Akkumulation in Form von Leichenbergen bedeuten. Die strukturierte Reproduktion (alias “Ökonomie“) kann also nur noch jenseits der betriebswirtschaftlichen Vernutzungslogik (“Rentabilität“) – ergo “überbetrieblich“ – laufen, genauso wie die infrastrukturelle Versorgung (Straßen, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen usw.) nur noch jenseits vom “Staat“, also unmittelbar kommunal-transnational organisiert werden kann (also no more ALPHAMÄNNCHEN/ ALPHAWEIBCHEN) – alles andere wäre das Ende der Veranstaltung “Menschheit“.

P.S.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Natürlich bedarf es, um das noch vermeiden zu können, auch der Inversion der "Waffen der Kritik"!!!




Quelle: http://www.opentheory.org/agenda2010/text.phtml
(Last Software Update: 22.05.2003, 16:08)