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Attac-Positionspapier:
Alternative Weltwirtschaftsordnung
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Maintainer: Markus Göker, Version 1, 26.06.2003  Druckversion
Projekt-Typ:
Status: Archiv

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Attac-Positionspapier
"Wege zu einer Alternativen Weltwirtschaftsordnung" (AWWO)

1. Entwurf der AG AWWO (Stand: 25.6.2003)


Hinweise zur Nutzung
Vorbemerkung der Redaktionsgruppe (Entstehungsgeschichte, weiteres Verfahren u.a.)

GLIEDERUNG:

Einleitung (Warum und wozu dieses Grundsatzpapier? Adressaten?)

Hauptteil:

I. Die herrschende Weltwirtschaftsordnung - Analyse und Kritik:

            Folgen der neoliberalen/kapitalistischen Globalisierung
       Was bedeutet Globalisierung?
       Ursachen der Globalisierung
Transnationale Konzerne
1. Weltwirtschaftsordnung und Umwelt
       Wachstumsdoktrin
2. Welthandelssystem: WTO und Weltagrarmarkt
3. Weltwährungs-, Weltfinanzsystem
4. Weltwirtschaftsordnung und Kriege
5. Die EU: Motor der Globalisierung

II. Alternativen

II.1 Leitideen:
1. Leitbild: Nachhaltige Entwicklung
       A: Abschied vom Wachstum; B: Zukunft des Wachstums
2. Perspektiven der Globalisierung:
       Kulturelle Vielfalt/Orientierung an der Lebenswelt
       Sicherung der Menschenrechte
2.1 Alternative: Globalisierung gerechter gestalten
2.2 Alternative: Entglobalisierung- von der Weltmarkt- zur Binnenorientierung
2.2 Alternative: Lokalisieren statt Globalisieren

II.2 Wege zu einer alternativen Weltwirtschaftsordnung
1. Weltwirtschaftsordnung im ökologischen Gleichgewicht
2. Neuordnung des Handels mit Gütern und Dienstleistungen
      -   Reform des Handelsregimes und der WTO
      -   Weltagrarmarkt, TRIPS
      -   Entglobalisierung
3. Neuordnung der Währungs- und Finanzbeziehungen
      -   Entschuldung
      -   Zukünftige Rolle von IWF und Weltbank
4. Kontrolle und Machtreduzierung Transnationaler Konzerne
5. Zukünftige Rolle und Weiterentwicklung der EU

Schluss:
Strategien und Bündnisse auf dem Wege zu einer alternativen Weltwirtschaftsordnung

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Hinweise zur Nutzung:
  • In dieses Positionspapier können zu einzelnen Abschnitten und Absätzen Kommentare eingefügt werden, und zwar über den Link "Kommentar" an der entsprechenden Textstelle. Diese Kommentare können wiederum kommentiert werden.
  • Beim Schreiben von Kommentaren bitte Name und Email-Adresse angeben.
  • Zur Anzeige von Kommentaren auf eines der Minus-Zeichen ("-") klicken, die am Anfang von Abschnitten/Absätzen sind.
  • Neue Kommentare per Email erhalten: Eine leere Email schicken an subscribe*attac-awwo@opentheory.org (Neue Kommentare werden gesammelt bis 6 Uhr morgens.)
  • Wer das Positionspapier ohne Kommentare ausdrucken möchte, sollte auf die Seite www.attac.de/awwo gehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Vorbemerkung der Redaktionsgruppe der AG AWWO

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Liebe GlobalisierungskritikerInnen bei Attac,
vor euch liegt nun der 1. Entwurf für das Positionspapier, wie es vom Attac-Ratschlag in Göttingen (Jan. 2003) beschlossen worden ist. Der Beschluss lautete:
- Der Ratschlag beschließt, dass Attac ein grundsätzliches Positionspapier "Für eine ökologische und solidarische Weltwirtschaftsordnung" (Arbeitstitel) erarbeitet.
- Der Arbeits- und Diskussionsprozess soll in den einschlägigen Arbeitsgruppen von Attac als auch in den Ortsgruppen, auf Workshops der kommenden Ratschläge und der Sommerakademie und in enger Abstimmung mit dem Wissenschaftlichen Beirat von Attac erfolgen. (Die AG Welthandel und WTO [insb. die Unter-AG "Alternative Weltwirtschaftsordnung, AWWO"] bietet sich an, diesen Arbeitsprozess zu koordinieren.)
- Auf dem Herbst-Ratschlag 2003 wird dem Plenum ein Zwischenbericht zum Stand der Diskussion vorgelegt; auf dem Frühjahrs-Ratschlag 2004 wird der Entwurf des Grundsatzpapiers abschließend diskutiert und verabschiedet.

[Alle Kommentare ausblenden] (5) In einem breiten Diskussionsprozess wurden von der Arbeitsgruppe AWWO ein Gliederungsentwurf erarbeitet und daraufhin von einzelnen Attac-AGs, Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats und von Mitgliedern der AG AWWO Textbeiträge erbeten. Etliche zugesagte Beiträge wurden bisher (noch) nicht zugesandt, ein Beitrag aus feministischer Sicht wird Anfang Juli fertig und euch gesondert zugeschickt ("Ergänzungslieferung"). Es finden sich noch viele Lücken, die in den nächsten Monaten geschlossen werden sollten. Wer fühlt sich berufen?

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Die AG AWWO hat eine Redaktionsgruppe aus bisher drei Personen (Heinrich Fecher, Michael Reinecke, Eckhard Stratmann-Mertens) beauftragt, die redaktionelle Bearbeitung der eingesandten Texte vorzunehmen. Auf bisher zwei Wochenendtagungen der AG sind der (vorläufige) Gliederungsentwurf und der 1. Rohentwurf diskutiert und daraufhin noch einmal verändert worden.

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Am 14./15.6.03 ist der vorliegende Entwurf auf dem Seminar des Wissenschaftlichen Beirats "Wege zu einer Alternativen Weltwirtschaftsordnung" in Haus Villigst/Schwerte mit Mitliedern der AG AWWO diskutiert worden. Der vorgesehene Arbeitstitel "Attac-Grundsatzerklärung" stieß dabei auf breite Ablehnung, da er zu sehr den Eindruck eines "Parteiprogramms" erwecke; vorgeschlagen wurden u.a. "Memorandum", "Manifest", "Denkschrift" oder auch "Positionspapier". Hier sollten in der kommenden Diskussion verschiedene Vorschläge geprüft werden. Die Debatte während des Seminars zeigte auch, dass der vorliegende 1. Entwurf in seiner Gesamtanlage noch sehr unfertig ist: die Gliederung wirke zu systematisch-geschlossen, die Akzente seien zu wenig deutlich, die Sprache unlebendig; auch sollten mehr grundlegende Fragen (Demokratie-, Frauen-, "System"frage) aufgeworfen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Es ist beabsichtigt, dass in dem Positionspapier nicht nur Konsenspositionen von Attac dargestellt werden. Dort, wo ein Konsens (noch) nicht erreicht werden kann, sollen kontroverse Positionen nebeneinander dargestellt werden. In großen Teilen ist der bisherige Entwurf recht "reformistisch". Dies ist nicht die Absicht der AG AWWO oder der Redaktionsgruppe, sondern hängt einzig damit zusammen, dass bisher nicht mehr "kritischere" Beiträge eingegangen sind. Dies kann und soll sich ändern.
Die AG AWWO beabsichtigt, zur Fundierung der Alternativdebatte einen Reader (evtl. auch ein Buch) herauszugeben, der zu den wichtigsten Themenbereichen ausführlicher kontroverse Positionen darstellt. Für dieses Projekt ist dem Wissenschaftlichen Beirat eine Zusammenarbeit vorgeschlagen worden.

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Mit der Attac-weiten Verschickung des 1. Entwurfes sind nun alle Interessierten, die lokalen Gruppen wie die bundesweiten AGs, eingeladen, sich an der Debatte um ein Attac-Positionspapier zu einer Alternativen Weltwirtschaftsordnung zu beteiligen, Kritik zu formulieren oder am besten eigene Textbeiträge beizusteuern.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Ergänzungs- oder Änderungsvorschläge für den nächsten Entwurf schickt bitte an die Redaktionsgruppe unter: attac-awwo-redaktion@listen.attac.de . Die Vorschläge sollten auch im unten genannten Webforum zur Diskussion gestellt werden; sie werden auf Wunsch des Autors/der Autorin oder auf Initiative der Redaktionsgruppe auch dokumentiert auf der Website www.attac.de/awwo. Von dort kann auch dieser Entwurf runtergeladen werden. Vor allem für kürzere Vorschläge bitten wir die AutorInnen, sich mit einer Dokumentation im Webforum zufrieden zu geben.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Um über das Positionspapier zu diskutieren, gibt es (ab 26. Juni) ein Webforum unter www.opentheory.org/attac-awwo/text.phtml. Dort können zu einzelnen Abschnitten und Absätzen des Papiers Kommentare eingefügt werden; diese Kommentare können wiederum kommentiert werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Wir werden versuchen, die eingehenden Beiträge zu ordnen und für die Überarbeitung zu einem 2. Entwurf zu bearbeiten. Hinsichtlich der Länge des Positionspapiers schlägt die AG AWWO vor, dass die Endfassung maximal 20 Seiten umfasst.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Der weitere Zeitplan bis zum Herbstratschlag im Oktober 2003 sieht folgendermaßen aus:
1. Auf dem Kongress McPlanet.com und auf der Sommerakademie gibt es jeweils Workshops, wo der 1. Entwurf vorgestellt wird und diskutiert werden kann.

2. Änderungsvorschläge sollen bis zum 15. September an die o.g. Redaktionsadresse geschickt werden. Die AG AWWO tagt am 20./21. September und wird den Stand der Diskussion und die anstehende Überarbeitung des Entwurfes beraten. Bis Ende September wird dann ein 2. Entwurf erstellt und rechtzeitig vor dem Herbst-Ratschlag Attac-weit verschickt.

3. Auf dem Herbst-Ratschlag wird ein Zwischenbericht der Arbeit an dem Positionspapier gegeben, diskutiert und das weitere Verfahren beraten werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Wir wünschen uns allen nun eine engagierte und kontroverse Diskussion des Entwurfes und grüßen herzlich

die Redaktionsgruppe: Heinrich Fecher, Michael Reinecke und Eckhard Stratmann-Mertens

25.6.2003

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Einleitung: (Warum und wozu dieses "Positionspapier"? Adressaten?)

[Alle Kommentare ausblenden] (16) "Eine andere Welt ist möglich". Weltweit eint dieser Slogan Globalisierungskritiker und –gegner in ihrem Widerstand gegen die neoliberale Globalisierung. Wir sind nicht länger bereit, die Globalisierung wie einen Sachzwang oder gar als naturhaft-unausweichlich hinzunehmen. Indem wir die Möglichkeit von Alternativen propagieren, untergraben wir auch die Legitimation derjenigen, die die konzerngesteuerte Globalisierung vorantreiben und von ihr profitieren. Die Zunahme von Armut in weiten Teilen der Erde, die immer größer werdende Kluft zwischen den reichen Industriestaaten und den armen Gesellschaften des Südens, die Ausbreitung von globalen Umweltproblemen sowie die Konzentration von ökonomischer und politischer Macht in Händen von transnationalen Konzernen zwingen uns, die treibenden Kräfte und Interessen hinter diesen Entwicklungen beim Namen zu nennen, aber auch gleichzeitig nach Auswegen zu suchen.

[Alle Kommentare ausblenden] (17) "Wir setzen uns ein für eine ökologische und solidarische Weltwirtschaftsordnung" (Attac-Erklärung, Frankfurt 2002). Diese Zielmarke reicht auf Dauer genauso wenig aus wie der pure Appell, eine andere Welt sei möglich. Zunehmend wird in der globalisierungskritischen Bewegung selbst als auch in der hellhörig gewordenen Öffentlichkeit konkret nach unseren Alternativen gefragt. Diese Fragen wollen wir mit der vorliegenden Positionsbestimmung von Attac aufgreifen.

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Das "Positionspapier" beschreibt "Wege zu einer alternativen Weltwirtschaftsordnung". Es gibt nämlich nicht den einen Königsweg, sondern zur Vielfalt der globalisierungskritischen Bewegung und von Attac selbst gehört auch eine Vielfalt von politischen und strategischen Wegen und Ansätzen. Das "Papier" bringt diese Vielfalt zum Ausdruck und soll zugleich einen breiten gesellschaftlichen Diskurs über diese Wege anstoßen. Damit ist dieses "Papier" zugleich eine Station des Diskussionsprozesses, in dessen Verlauf sich diese Positionsbestimmung weiter differenzieren und verändern wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Die Absicht des "Positionspapiers" ist es, das zum Ausdruck zu bringen, was allen Gruppierungen und Aktiven bei Attac gemeinsam, was Konsens ist. Damit kann dieser Konsens auch in der Gesellschaft breiter diskutiert und verankert werden. Genauso werden in dem "Papier" aber auch verbleibende Unterschiede und Differenzen bei Attac hinsichtlich der Zielbestimmung und der Wege zum Ziel deutlich gemacht. Darin sehen wir nicht eine Schwächung unseres Netzwerkes und der Bewegung; im Gegenteil: Je klarer Differenzen deutlich gemacht werden, umso lebhafter und fundierter kann der Diskurs darüber geführt werden. Die Lebendigkeit der politischen Auseinandersetzung bringt uns voran und bietet Orientierung für alle diejenigen, die Unbehagen an den Auswirkungen der Globalisierung empfinden.
Das Spannungsverhältnis zwischen reformorientierten Globalisierungskritikern und radikalen Globalisierungsgegnern kann sich als förderlich für eine gemeinsame Wegstrecke zu einer alternativen Weltwirtschaftsordnung erweisen: Denn ohne langfristige Utopien laufen kurz- bis mittelfristig ansetzende Reformvorschläge Gefahr, von den herrschenden Kräften vereinnahmt zu werden; und ohne die Fähigkeit, konkrete und praktisch wirksame Reformen vorzuschlagen, verlieren radikale Utopien ihren Realitätsbezug.

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Attac ist ein Netzwerk innerhalb der globalisierungkritischen Bewegung; dieses "Positionspapier" ist gerade aufgrund seiner Offenheit und Vielfältigkeit kein statisches Programm, vielmehr ein Zwischenergebnis. Es nimmt die Alternativansätze aus den unterschiedlichen Bewegungs- und Gruppenzusammenhängen auf. Ohne sich in detaillierten Einzelforderungen zu verlieren, will es Eckpunkte einer ökologischen, solidarischen und demokratischen Weltwirtschaftsordnung deutlich machen und damit öffentlich zur Diskussion stellen.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Hauptteil:

[Alle Kommentare ausblenden] (22) I. DIE HERRSCHENDE WELTWIRTSCHAFTSORDNUNG -
       ANALYSE UND KRITIK

[Alle Kommentare ausblenden] (23) [ Die folgenden Themen sind in dem Entwurf noch nicht abgedeckt; diese weißen Felder müssen noch bearbeitet werden:

  • Weltwirtschaftsordnung und Patriarchat (in Arbeit, Fertigstellung Anfang Juli)
  • Weltwirtschaftsordnung und Kluft zwischen Arm und Reich
    - Migration und Flucht
    - Soziale Spaltung in den Ländern des "Nordens"
    - Daseinsvorsorge, Abbau der Sozialsysteme
  • Treibende Kräfte und Interessen hinter der Dynamik der Globalisierung
    - G 7/G8, USA ]

    [Alle Kommentare ausblenden] (24) Die Globalisierung ist ein Umbruch von historischen Dimensionen. Sie verändert die Gesellschaft mit enormem Tempo und greift tief in unsere Lebensbedingungen ein. Ihr Leitbild ist der Neoliberalismus mit dem Versprechen, die Globalisierung bringe Wohlstand für alle. Dies hat sich jedoch nicht erfüllt, im Gegenteil.

    [Alle Kommentare ausblenden] (25) Folgen der neoliberalen/kapitalistischen Globalisierung :

    [Alle Kommentare ausblenden] (26)

  • Die soziale Kluft zwischen Nord und Süd wird tiefer. Während die Reichen immer reicher werden, wächst die Armut in der Dritten Welt. Das Durchschnittseinkommen des reichsten Fünftels der Weltbevölkerung entwickelte sich im Verhältnis zu dem des ärmsten Fünftels (v.a. in Afrika südlich der Sahara und Südasien) von 30:1 im Jahre 1960 auf 60:1 in 1990 und auf 74:1 in 1997. Etwa 1,2 Milliarden Menschen leben unter der Armutsgrenze von einem US-Dollar täglich; 2,4 Mrd. Menschen leben von weniger als zwei US-Dollar täglich. Laut UNDP ging es den Menschen Ende der 1990er Jahre in 85 Ländern in mehrfacher Hinsicht schlechter als zehn Jahre zuvor.

    [Alle Kommentare ausblenden] (27) Die ungleiche Verteilung des Reichtums wird nicht zuletzt ermöglicht durch eine analoge Ungleichverteilung der Ressourcen- und Umweltnutzung. Derzeit werden rund 80 % der Stoffströme (Ressourcen) weltweit für den materiellen Wohlstand der Menschen in der industrialisierten Welt in Bewegung gesetzt, also für ca. 20 % der Weltbevölkerung. Der Verfall der Weltmarktpreise für mineralische und agrarische Rohstoffe, die nach wie vor für die meisten Nicht-Industrieländer die Hauptexportprodukte sind, und die damit gegebene Verschlechterung der terms of trade sind ein herausragender Faktor sowohl für die Armutsentwicklung in vielen Regionen der Welt als auch –korrespondierend- für Wohlstandsgewinne in den Industriestaaten.

    [Alle Kommentare ausblenden] (28)

  • Durch Finanz- und Wirtschaftskrisen werden über Nacht ganze Volkswirtschaften ruiniert und verlieren Hunderttausende ihren Arbeitsplatz. Die Armut ist in die Industrieländer zurückgekehrt. Auch bei uns nehmen soziale Unsicherheit, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit zu. Die sozialen Sicherungssysteme werden abgebaut und sind von Privatisierung bedroht. Renten, Gesundheit, Bildung sollen zur Ware werden. Demokratie wird untergraben, weil Global Player mit der Drohung, den "Standort" zu wechseln, zunehmend die Politik diktieren.
    Kulturelle Vielfalt wird durch eine ökonomisch mächtige Kulturindustrie eingeebnet. Die Suggestivkraft von Werbung und Markenlogos bestimmt immer stärker Wertorientierungen und gesellschaftliche Leitbilder.

    [Alle Kommentare ausblenden] (29)

  • Neue Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern entstehen. Die Deregulierung der Arbeitsmärkte und der Sozialabbau werden wesentlich mithilfe unter- und unbezahlter, flexibler Frauenarbeit vollzogen. Auch Männerarbeit wird zunehmend nach diesem Modell der weltweit ungeschützten flexibilisierten Billigjobs dereguliert und globalisiert. Die Globalisierung hat zu einer krassen Zunahme sexistischer und struktureller Gewalt gegen Frauen wie z. B. des transnationalen Handels mit Frauen und Kindern geführt. Die Opfer der neuen, globalisierten Kriege sind ebenfalls in überwiegender Mehrheit Frauen und Kinder.

    [Alle Kommentare ausblenden] (30)

  • Die natürlichen Lebensgrundlagen werden durch die Unterwerfung unter die Markt- und Wachstumslogik zerstört. Die Lösung der Umweltprobleme wird verschleppt. Die Industrieländer sind die Hauptverursacher des Treibhauseffektes und des Ozonabbaus in der Stratosphäre. Ein Mensch in den OECD-Staaten belastet die Umwelt ungefähr fünfzehn- bis dreißigmal so stark wie etwa ein Mensch in Ägypten oder auf den Philipinnen; von den Folgen am härtesten getroffen sind aber die Menschen in den armen Regionen.

    [Alle Kommentare ausblenden] (31)

  • Neben anderen Gründen sind es hegemoniale Interessen und neue Rohstoffquellen (Öl und Gas), zu deren Sicherung reiche Industriestaaten zunehmend militärische Planungen und kriegerische Interventionen durchführen. Die neoliberale Globalisierung hat sehr viele Verlierer und nur wenige Gewinner hervorgebracht. Sie begünstigt damit politische Destabilisierung und ist ein Grund für Gewalt, Krieg und Terrorismus. Dies führt zur Rechtfertigung von weltweiter Aufrüstung, von Militarisierung und zur Aushöhlung demokratischer Rechte.

    [Alle Kommentare ausblenden] (32) Was bedeutet "Globalisierung"?

    [Alle Kommentare ausblenden] (33) (Unter Globalisierung wird im Folgenden 1. ein komplexer Prozess und 2. das (politische) Vorantreiben dieses Prozesses verstanden.)

    [Alle Kommentare ausblenden] (34) Allgemein kann Globalisierung als die Entstehung einer weltweiten, überregionalen Ebene (sei sie nun politisch, wirtschaftlich und/oder kulturell) verstanden werden. Sie geht einher mit einer Unterordnung der nationalen, regionalen und lokalen Einheiten unter die Macht- und Funktionsimperative der globalen Ebene.

    [Alle Kommentare ausblenden] (35) Der Prozess der Globalisierung ist nicht neu, er ist so alt wie der Kapitalismus selbst. Neu am derzeit stattfindenden Prozess der Globalisierung ist lediglich der Umfang und die Tiefe der den gesamten Globus umfassenden Kapitalisierung der Welt. Wesentlich für diesen Prozess ist die Tendenz der globalen Zerstörung von Selbstversorgungswirtschaften und regionaler Wirtschaftsformen zur Schaffung von Märkten und abhängigen Konsumenten. Seit ungefähr Mitte der achtziger Jahre führt der Prozess der wirtschaftlichen -und politisch forcierten- Globalisierung zu einer neuen Dynamik der internationalen wirtschaftlichen Verflechtung: Während von 1950 bis 2000 die Weltwirtschaftsleistung (BIP) kontinuierlich "nur" um mehr als das Sechsfache gestiegen ist, wuchsen die internationalen Handelsströme um das Siebzehnfache. Schneller noch als der Welthandel wuchsen -seit Mitte der achtziger Jahre- die Direktinvestitionen und das global zirkulierende Finanzkapital vermehrte sich sogar noch schneller. Seit etwa Mitte der neunziger Jahre haben auch Unternehmenszusammenschlüsse und Firmenübernahmen an Häufigkeit und Transaktionsvolumen drastisch zugenommen. Die Transnationalen Konzerne wickeln einen zunehmend großen Teil des Welthandels konzernintern ab. Die jüngste Welle von Fusionen und Firmenübernahmen (z.B. Vodafone/Mannesmann) führt zu einer Konzentration industrieller Macht in Megakonzernen – mit dem Ziel einer Aushöhlung des Wettbewerbs und der Zunahme des politischen Einflusses.

    [Alle Kommentare ausblenden] (36) In einem weiteren Sinne meint Globalisierung auch das (politische) Vorantreiben dieses komplexen Prozesses. Denn Globalisierung ist ein politisch gestalteter und gestaltbarer Prozess. Sie wird getragen und forciert von internationalen Organisationen -vor allem WTO, IWF und Weltbank-, die in unterschiedlichem Maße auf das nationalstaatliche Recht einwirken.

    [Alle Kommentare ausblenden] (37) Kontroverse um den Begriff des Freihandels:

    [Alle Kommentare ausblenden] (38) [ Strittig ist, ob der Begriff des Freihandels von Attac positiv aufgegriffen werden sollte. ]

    [Alle Kommentare ausblenden] (39) Variante A:
    Nach herrschender neoliberaler Lehre führen internationaler Wettbewerb und Freihandel zu Wirtschaftswachstum und damit zu mehr Wohlstand, der sich annähernd gleichmäßig über alle Volkswirtschaften verteile. Wirtschaftswachstum durch Freihandel löst aber nicht die weltweiten Probleme der Armut und der globalen und nationalen Umweltzerstörung, sondern bedingt sie vielmehr und führt zu einer doppelten Ausbeutung:
    - der Ausbeutung der Entwicklungsländer durch die Einfuhr von Ressourcen, die auf Grund ihrer Knappheit in Zukunft den Entwicklungsländern für ihre eigene Entwicklung fehlen;
    - der Ausbeutung der Weltgemeinschaft durch die globale Schädigung der natürlichen Lebensgrundlagen infolge der Verknappung von Ressourcen für zukünftige Generationen und der Überlastung der Umwelt mit Emissionen aller Art.
    Die Freihandelsdoktrin steht nicht für freien Handel, sondern für eine konzerngesteuerte Wirtschaft, frei von staatlicher und gesellschaftlicher Kontrolle sowie frei von Verantwortung für die Natur und die kommenden Generationen. Der Begriff erweist sich als zutiefst verlogen, denn Liberalisierung der Märkte heißt eben nicht freier Zugang aller zum Markt, sondern nur Liberalisierung der Antitrustgesetze, also Befreiung von Recht und Gesetz.

    [Alle Kommentare ausblenden] (40) Variante B:
    Freihandel als eine Form friedlichen, gleichberechtigten Austausches zwischen Völkern und Regionen ist wünschenswert; Freihandel als eine Form sozialdarwinistischen Wettkampfes ist abzulehnen. Märkte brauchen einen Rahmen, der ordnet, lenkt und erhält. Diese sind am besten, wenn sie möglichst demokratisch fundiert sind. Marktfreiheit darf nie Demokratie beschädigen. Nur Volkswirtschaften, deren Regelsystem diese Funktionen ausfüllen kann, können erfolgreiche Marktwirtschaften ausbilden und erfolgreich am internationalen Handel teilnehmen.

    [Alle Kommentare ausblenden] (41) Ursachen der Globalisierung

    [Alle Kommentare ausblenden] (42) [ Hier steht die Diskussion noch am Anfang; u.a. ist strittig, ob wir es bei der Globalisierung mit der "Systemfrage" Kapitalismus zu tun haben und was unter Kapitalismus genau zu verstehen ist.

    Hinter der unterschiedlichen Redeweise von der "neoliberalen" bzw. der "kapitalistischen" Globalisierung verbergen sich tieferliegende Differenzen hinsichtlich der Analyse der Weltwirtschaftsordnung und ihrer Entwicklungstendenzen. Aus den je unterschiedlichen Analysen resultieren auch verschiedene, z.T. gegensätzliche Maßnahmenvorschläge: Im einen Fall wird die Einleitung einer alternativen Entwicklung über eine politische Regulierung der Globalisierung angestrebt; im Falle einer grundsätzlichen Kapitalismuskritik wird die Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise gefordert.

    Wir halten es – mehr als zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus und dem Siegeszug des Kapitalismus – für notwendig, dass bei Attac und in der Öffentlichkeit wieder eine politische Auseinandersetzung über die grundlegenden Fragen der herrschenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse einsetzt. Dies sollte verbunden werden mit einer Debatte über die Reichweite und Durchsetzbarkeit von politischen Regulierungsansätzen und von Ansätzen für eine systemverändernde Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung. Hier geht es wieder um Fragen der Notwendigkeit und der Ausgestaltung von Marktwirtschaft und Wettbewerb, von alternativen Formen gesellschaftlichen Eigentums, von gesellschaftlicher Rahmenplanung und Wirtschaftsdemokratie, nicht zuletzt auch um die Veränderung der gegenwärtigen Lebens- und Arbeitsformen.

    Der Diskurs über diese sog. Systemfragen wird nur dann konstruktiv verlaufen können, wenn er undogmatisch und begrifflich präzise geführt wird und die historischen Erfahrungen mit dem Realsozialismus mitreflektiert. ]

    [Alle Kommentare ausblenden] (43) Variante A:
    Globalisierung ist Folge des kapitalistischen Wachstumszwanges. Kapitalismus kann ohne Wachstum nicht existieren; er treibt die Unternehmen zu ständiger Expansion. Kapitalismus braucht Selbstversorgungswirtschaft als Basis seiner Existenz und vernichtet diese gleichzeitig im Interesse seine Profits.

    Wachstum ist quasi das Lebenselixier des Kapitalismus. Wachstumstheorien versuchen sich in Begründungen dafür, dass unendliches Wachstum möglich sei. Selten aber wird gefragt, warum Wirtschaftswachstum überhaupt notwendig ist.

    [Alle Kommentare ausblenden] (44) Variante B:
    Eine mächtige Triebkraft der wirtschaftlichen Globalisierung sind die internationalen Finanzmärkte. Sie entstanden mit der Auflösung des Systems fester Wechselkurse und der daran anschließenden, auch vom IWF vorangetriebenen Liberalisierung der Finanz- und Bankenmärkte.

    1. Transnationale Konzerne (TNK)

    [Alle Kommentare ausblenden] (45) Die international operierenden Unternehmen umschlingen die Welt wie eine Krake und bestimmen, wohin das Geld wandert, welche Güter auf dieser Welt produziert werden und wer sie sich leisten kann. Sie lassen die Welt nach ihrer Pfeife tanzen:
    - Eine nationale Politik gegen die multinationalen Konzerne ist heute nur noch schwer möglich. Diese versuchen durch Druck auf die Löhne, Sozialleistungen und Umweltnormen ihre internationale Konkurrenzfähigkeit zu steigern; sie unterlaufen damit internationale Bestimmungen, spielen die Staaten gegeneinander aus und senken dadurch international die Sozial- und Umweltstandards.
    - TNK tragen weltweit unter dem Strich zur Erhöhung der Arbeitslosigkeit bei. Ihre Nettobeschäftigungseffekte sind negativ, da der Beschäftigungsabbau über Verlagerungen, Fusionen, Arbeitsintensivierung, Rationalisierung und Verdrängung der heimischen Unternehmen die Beschäftigungsausweitungen (direkte und indirekte) überschreitet.
    - Durch ihre enorme Durchsetzungsfähigkeit zahlen die TNK kaum Steuern, erhalten hohe Subventionen und tragen damit in vielen Fällen zur explosiven Staatsverschuldung bei.
    - Zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen und politischen Interessen versuchen Medienkonzerne, die Weltöffentlichkeit mit gigantischen Täuschungsmanövern irrezuführen und von ihren Aktionen zu überzeugen. Ansichten, die nicht zur kapitalistischen Globalisierung passen, haben kaum einen Platz in den Medien der Weltunternehmen.
    - Durch die Transnationalen Konzerne wird weltweit der Graben zwischen Verlierern und Gewinnern immer tiefer. Anstatt den Einkommensabstand zu beheben, erweitern die TNK durch ihre Weltmarktbeherrschung und ihr Profitstreben die Kluft, treiben einen Großteil der Weltbevölkerung in die Armut und bewirken für eine Minderheit wachsenden Reichtum. Aufgrund der Weltmarktbeherrschung der Multis verschlechtern sich die Terms of Trade (reale Austauschverhältnisse) für die Entwicklungsländer und steigen deren Auslandsschulden. Was die Entwicklungsländer an Zinsen den transnationalen Banken zahlen, übersteigt bei weitem den Finanzbetrag, den sie von den Industrieländern erhalten.

    [Alle Kommentare ausblenden] (46) 2. Weltwirtschaftsordnung und Umwelt

    [Alle Kommentare ausblenden] (47) Globaler Handel und ausländische Direktinvestitionen aus den Wohlstandsökonomien verbreiten deren ressourcenintensives Wirtschafts- und Konsummodell weltweit. Die Globalisierung der Produktionsprozesse führt dazu, daß Kosten und Nutzen von einander getrennt werden: Die Umweltschäden sammeln sich in den unteren Produktionsstufen, die Wohlstandsökonomien genießen das Endprodukt. Tatsächlich handelt es sich dadurch bei der festgestellten Verringerung der Umweltbelastung in den Wohlstandsökonomien zu großen Teilen um reine Verlagerungseffekte.

    [Alle Kommentare ausblenden] (48) Steigender Handel bedeutet steigende und beschleunigte Stoffströme sowie steigenden Verkehr. Steigender Verkehr bedeutet Steigerung des Energieverbrauchs und der Schadstof- und Treibhausgasemissionen. Insbesondere haben die relativ billigen Transportkosten (u.a. Fall der Flugkosten auf ein Drittel im Zeitraum von 1950 bis 1990) die Zunahme des Welthandelsvolumens begünstigt.

    [Alle Kommentare ausblenden] (49) Durch einen globalen Wettbewerb geraten die Regierungen unter Druck, der Wettbewerbsfähigkeit" Vorrang vor der Ökologie einzuräumen. Die von der WTO geforderte Nichtbeachtung der Produktionsweise von Importen unterminiert stringente Standards für die einheimische Wirtschaft. Durch dieses Prinzip sowie das der Nichtdiskriminierung und ihrer Ablehnung des Vorsorgeprinzips ist die WTO tendenziell auf Kollisionskurs mit einigen multilateralen Umweltabkommen.

    [Alle Kommentare ausblenden] (50) Die globalisierten Finanzmärkte und nicht zuletzt IMF und Weltbank verlangen stabile Währungen, ausgeglichene Budgets und Rückzahlung der Auslandsschulden. Nötig ist daher die Erwirtschaftung von Exportüberschüssen und Devisen. Für die Entwicklungsländer heißt dies hauptsächlich den Verkauf ihrer natürlichen Ressourcen. Fallende Preise und Währungen führen zu weiter steigender Ressourcenextraktion, um den Geldwert der Exporte stabil zu halten.

    [Alle Kommentare ausblenden] (51) Wachstumsdoktrin

    [Alle Kommentare ausblenden] (52) [ Es ist offensichtlich, dass es bei Attac zur Wachstumsfrage kontroverse Positionen gibt, die in Teil II.1.1. dargestellt sind. Der folgende Abschnitt ist aus wachstumskritischer Sicht geschrieben. ]

    [Alle Kommentare ausblenden] (53) Wie in der nationalen Wirtschaftspolitik, so ist auch in der Weltwirtschaftpolitik Wachstum das zentrale Ziel aller Anstrengungen; Armut ist in dieser Sichtweise das Resultat eines zu geringen Wachstums. In den Wachstumsrechnungen (Indikator BIP bzw. BSP) wird nur bilanziert, was in Geldwerten erfaßt wird. Im BIP werden alle in Geldwerten erfaßten Transaktionen positiv bilanziert, gleichgültig, ob es sich dabei um gesellschaftlich nützliche oder schädliche Aktivitäten handelt.

    [Alle Kommentare ausblenden] (54) Alternative Wohstandsindices, die nicht nur die Geldströme, sondern auch Faktoren wie Ressourcenbestand, Gesundheit, Verteilungsgerechtigkeit etc. einbeziehen, deuten darauf hin, daß in den Industriestaaten seit Mitte der siebziger Jahre die durchschnittliche Lebensqualität bei anhaltendem Wachstum sinkt. Eine Steigerung des BIP kann also mit einer Erhöhung der Lebensqualität einhergehen, jedoch ebenso in das Gegenteil umschlagen.

    [Alle Kommentare ausblenden] (55) Die Industrieländer beanspruchen schon jetzt die gesamte ökologische Kapazität des Planeten. Das Wachstum des industrialisierten Nordens beruht seit der Kolonialzeit wesentlich auf asymmetrischen Wirtschaftsbeziehungen, die eine Ausbeutung billiger Ressourcen aus dem Süden erlauben. Eine Nachahmung des westlichen ressourcenintensiven Entwicklungsmodells durch die sog. Entwicklungsländer hingegen würde die ökologischen Dimensionen des Planeten – und d.h. auch: die Basis aller ökonomischen Aktivitäten – sprengen.

    [Alle Kommentare ausblenden] (56) Wachstum steht auch im Mittelpunkt jener Armutsbekämpfungsstrategien, wie sie von IWF, Weltbank und WTO vertreten werden. Auch hier werden die volkswirtschaftlichen und sozialen Schäden blinden Wachstums ignoriert: Bodendegradation, Rodung von Wäldern, Artenschwund, Klimawandel, Absinken des Grundwasserspiegels, Umweltgifte etc. zerstören mit den natürlichen Lebensgrundlagen auch die ökonomische Basis von unzähligen Haushalten – besonders bei jenen zwei Milliarden Menschen, die direkt vom Zugang zur Natur leben.

    [Alle Kommentare ausblenden] (57) 3. Welthandelssystem: WTO und Weltagrarmarkt

    [Alle Kommentare ausblenden] (58) Die WTO ging 1995 aus dem GATT von 1947 hervor. Dieses war ein multilaterales Abkommen, dessen Unterzeichner sich auf freihändlerische Prinzipien verpflichteten. Der Geltungsbereich dieser Prinzipien wurde im Laufe der Welthandelsrunden ausgeweitet, zugleich wurden deutliche Senkungen der Durchschnittszölle erreicht. Dieses Regime hatte und hat einseitige Begünstigungen der Industriestaaten zur Folge. Die 1994 abgeschlossene Uruguay-Runde des GATT verschärfte den Trend zu der ungleichen Entwicklung zwischen zwischen Nord und Süd: Laut einer Studie von OECD und Weltbank wird sich der Zuwachs des Welthandels infolge der beschlossenen Handelsliberalisierung zu gut zwei Dritteln auf die OECD-Wirtschaften verteilen, zu knapp einem Drittel auf den "Rest der Welt"; der große Verlierer dieser GATT-Runde mit absoluten Einkommensverlusten wird Afrika sein.

    [Alle Kommentare ausblenden] (59) Viele arme Länder können ihre Interessen nicht in die Verhandlungsprozesse der WTO einbringen, obwohl formal das Prinzip "one country – one vote" gilt. Gleichzeitig sind die Kosten der administrativen Umsetzung von WTO-Abkommen enorm. Es gibt also eine strukturelle Benachteiligung der armen Länder innerhalb der WTO. Diese droht durch die Ausdehnung des WTO-Rechts auf weitere Bereiche wie Dienstleistungen, Agrar, öffentliche Beschaffung, Investitionen etc. noch verschärft zu werden. Zugleich werden dadurch z. T. UN- Organisationen unterhöhlt (die WTO ist keine UN-Organisation!) und eine an bestimmten wirtschaftlichen Interessen ausgerichtete Sicht anderen Lebensbereiche, z. B. Umweltschutz, Arbeitsstandards etc. "übergestülpt". Zu erwähnen ist hier vor allem die Rechtsprechung durch das WTO-Streitschlichtungsverfahren, die von Handelsjuristen ausgeübt wird und teilweise ein Primat der "Freihandels" über andere Rechtsfelder durchzusetzen sucht.

    [Alle Kommentare ausblenden] (60) Der Agrarsektor wurde mit dem "Agreement on Agriculture (AoA)" erst 1995 in die multilaterale Welthandelsordnung einbezogen. Allerdings ist diese Einbeziehung sehr dürftig, nach wie vor dominieren Quoten und Subventionen, auch die durchschnittlichen Zölle sind deutlich höher als im Industriebereich. Die Agrarverhandlungen sind von entscheidender Bedeutung für die Entwicklungsländer. Agrarlobbys und Regierungen der Industrieländer haben bisher keine substantiellen Angebote gemacht, die den Interessen der Entwicklungsländer entgegen kommen.

    [Alle Kommentare ausblenden] (61)

  • Exportsubventionen machen Überschüsse so billig, dass sie auf ausländischen Märkten verkauft werden können. Exportsubventionen sind immer abzulehnen.
  • Marktzugang kann nicht fair sein, wenn einige Anbieter mit milliardenschweren Subventionen ausgestattet werden. Die OECD-Landwirte erhielten 2001 rund 230 Milliarden US-$ an Subventionen, das waren rund 35% (21%) der Einkommen der EU (US-)-Landwirte. Die Industriestaaten zeigen hier kein Entgegenkommen.
  • Nicht zu verwechseln mit den Exportsubventionen sind die internen Subventionen. Hierbei geht es um Struktur des ländlichen Raums, um Umweltschutz und/oder Lebensmittelsicherheit.
  • Das TRIPS-Abkommen soll geistiges Eigentum international schützen, vor allem durch die Schaffung und Durchsetzung weltweiter Patentrechte. Es ermöglicht die privatwirtschaftliche Ausbeutung genetischen Materials und bringt die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern zunehmend unter die Kontrolle der Biotech-Unternehmen. Dabei sichern sich insbesondere die Agrar-, aber auch die Pharmaindustrie die Rechte auf viele traditionelle Produkte und/oder Wirkstoffe. Selbst bei einer "unfallfreien" Einführung der Gentechnik ist mit einem radikalen Verlust an Biodiversität zu rechnen.

    [Alle Kommentare ausblenden] (62) 4. Weltwährungs-, Weltfinanzsystem:

    [Alle Kommentare ausblenden] (63) [ In der AG AWWO wird von Samirah Kenawi (Attac Berlin) eine Position vertreten, die dem Geld- und Zinssystem sowie der Verschuldung einen überragenden Stellenwert für die Analyse und die Überwindung der Finanzkrisen beimisst. Diese Position wird von der AG nicht geteilt. Der folgende Text von Samirah ist nicht Bestandteil dieses Entwurfes für das Grundsatzpapier; er soll aber Diskussionsbedarf signalisieren. Die Debatte um diese Position soll in einem späteren Reader zur Grundsatzerklärung vertieft werden.

    [Alle Kommentare ausblenden] (64) Samirah Kenawi:

    [Alle Kommentare ausblenden] (65) Die Weltwirtschaft hat in den letzten Jahre schwere Krisen, ausgelöst von Finanzspekulationen, miterlebt. Inzwischen drohen neue schwere Finanzkrisen infolge allgemeiner Überschuldung der Banken. Zur Überschuldung von Banken kommt es vor allem durch notleidende (nicht rückzahlbare) Kredite. Nahezu alle Banken leiden inzwischen unter einer wachsenden Zahl dieser notleidenden Kredite. Nach gängigem internationalen Bankrecht würde dies zu umfangreichen Bankzusammenbrüchen führen. Diese Insolvenzen werden dadurch vermieden, dass die einzelnen Regierungen direkt oder indirekt immer mehr dieser faulen Kredite zu Lasten der Steuerzahler übernehmen. Hieraus erklärt sich die wachsende Staatsverschuldung und der weltweite Abbau von Sozialsystemen, denn Steuergelder werden zunehmend für Wirtschaftssubventionen, d.h. als Finanzspritzen zur Verhinderung von Firmen- und Bankeninsolvenzen eingesetzt. Nicht wegen explodierender sozialer Kosten, sondern wegen explodierender "Förderkosten" für die Wirtschaft muss der Steuerzahler bluten und das Sozialsystem verhungern.

    [Alle Kommentare ausblenden] (66) Bei genauer Analyse der Probleme wird jedoch deutlich, dass die dem Staat auf dem Weg der "Unternehmensrettung" aufgebürdeten Schulden nur die Folgen (d.h. die Kehrseite) privater Vermögensbildung sind. Private Vermögen und dazu nötige private oder öffentliche Schulden haben inzwischen jedoch ein Maß erreicht, dass die Zinslasten die öffentlichen und privaten Kassen zu erdrücken drohen. Das Ende der Verschuldungskrise wird jedoch erst erreicht sein, wenn die Zinslast 100% der privaten und öffentlichen Einkommen erreicht hat.

    [Alle Kommentare ausblenden] (67) Mit Buchungstricks (Wegbuchen der Verluste) und Schuldenmoratorien kann die Zinslast zeitweise reduziert werden. Gelöst wird das Problem damit nicht. Vielmehr wird die Lösung des Problems aufgeschoben. Damit aber wachsen die ökologischen und sozialen Probleme, die Folge der Verschuldungskrise sind, so dass die Gefahr besteht, dass uns die ökologischen oder sozialen Probleme einholen, bevor die Schuldenfalle endgültig über uns zusammenschnappt. ]

    [Alle Kommentare ausblenden] (68) Verschuldung
    Die Überschuldung von vielen Entwicklungsländern ist der bekannteste Ausdruck der Abhängigkeit, die aus Wirtschaftsbeziehungen erwachsen können. Neben den Verwerfungen, die bis auf die Kolonialzeit zurückgehen, haben korrupte Eliten maßgeblich zum Verschuldungsproblem beigetragen, aber auch eine keynesianische Politik, die eine unbegrenzte öffentliche Verschuldung propagierte und häufig für Strukturwandel falsch eingesetzte. Das Überschuldungsproblem der Länder bedarf einer grundsätzlichen Lösung, da sonst ein Durchbrechen des Kreislaufes der "Unterentwicklung" nicht möglich ist.

    [Alle Kommentare ausblenden] (69) Rolle von IWF und Weltbank
    Die Weltbank und der IWF sind die Träger der nach dem 2. Weltkrieg in Bretton Woods entstandenen Weltfinanzordnung. Ursprünglich war der IWF nur für den Ausgleich von Zahlungsbilanzungleichgewichten zuständig, während die Weltbank und ihre Töchter sich verschiedenen Fragen der Entwicklungsfinanzierung widmeten. Die von ihnen finanzierten Großprojekte stehen einer lokalen eigenständigen Entwicklung oft entgegen. Zugleich mischte sich der IWF durch seine Strukturanpassungsprogramme immer stärker in die Weltbankaufgaben ein.

    [Alle Kommentare ausblenden] (70) Die neoliberale Ideologie des "Washington Consensus" überhöhte den IWF zu einem Machtinstrument, um die neoliberale Doktrin durchzusetzen, ohne Ansehen spezifischer Situationen von Volkswirtschaften. Lange genug hat der IWF als Krisenmanager - in Asien 1997/98, Brasilien1998/99 und Argentinien 2001 - versagt und durch seine an Konditionen gebundenen Kredite die Lage in diesen Ländern noch weiter verschärft. Immer wieder intervenierte er in den Krisen-Ländern, um als Schuldeneintreiber das Kapital der ausländischen Gläubiger und Kapitalanleger zu retten.

    [Alle Kommentare ausblenden] (71) Im IWF und in der Weltbank haben die USA eine Vetoposition (rund 18% der Stimmen) und zehn Industrieländer zusammen eine absolute Mehrheit (rund 52% der Stimmen). Sie bestimmen damit die internationale Finanzordnung allein, und sie richten sich dabei oft nach den Interessen von Banken und Multis und nicht nach denen der Menschen in jenen 130 Entwicklungsländern, die zusammen nur rund 33% der Stimmen halten.

    [Alle Kommentare ausblenden] (72) 5. Weltwirtschaftsordnung und Kriege

    [Alle Kommentare ausblenden] (73) Die ungleiche und asymmetrische Entwicklung, die sich in und zwischen den verschiedenen Gesellschaften und Nationen auf der Grundlage der kapitalistischen Wirtschaftsordnung unter neoliberalem Regime ergibt, wird durch die Kriege, die die G 8-Staaten führen und geführt haben und durch viele Kleinkriege in einer ganzen Reihe von Ländern der Peripherie noch verstärkt und auf die Spitze getrieben.

    [Alle Kommentare ausblenden] (74) In diesen Kriegen (2. und 3. Golfkrieg, 1991 und 2003, Kriege im Kosovo und in Afghanistan) geht es um weltweite oder regionale Vorherrschaft, um die Kontrolle wichtiger Rohstoffe und Lebensmittel, um die Kontrolle von Waren- und Finanzmärkten, um die Kontrolle von Migrationströmen oder um den verzweifelten Kampf um Überlebenschancen... Die meisten dieser Konflikte und Kriege wären nicht möglich ohne Waffenexporte der führenden Industriestaaten, z.T. in Zusammenarbeit mit mehr oder weniger mafiosen Sektoren in den Ländern der Peripherie.

    [Alle Kommentare ausblenden] (75) Die politische Ökonomie der westlich dominierten Weltgesellschaft bereitet auf diese Weise nicht zuletzt die Grundlage für terroristische Aktivitäten. Dies anomischen Entwicklungen in der Welt (ethnische Massaker, Vertreibungen, Terror) liefern gleichzeitig die willkommenen Vorwände, um unter Verweis auf die Aufrechterhaltung des westlichen Wertehorizonts (Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Marktwirtschaft, die Achse des Guten) die nach dem 2.Weltkrieg bis zum Ende des Kalten Krieges entwickelten und anerkannten rechtlichen Standards (UN-Charta, Menschenrechte, Völkerrecht, Genfer Konvention) massiv zu deregulieren durchaus vergleichbar und parallel zu den ökonomischen Deregulierungen im Rahmen von WTO und IWF.

    [Alle Kommentare ausblenden] (76) Im Zuge dieser Entwicklung wurden auch Zielsetzung, Reichweite und inhaltliche Bestimmung der jeweiligen nationalen "verteidigungspolitischen Richtlinien entsprechend erweitert. Es geht ausdrücklich um die weltweite Sicherung der ökonomischen Interessen (Einflusssphären, Rohstoffe) der führenden Industrienationen..

    [Alle Kommentare ausblenden] (77) 6. Die EU: Motor der Globalisierung

    [Alle Kommentare ausblenden] (78) [Die folgenden Abschnitte entstammen zu einem geringen Teil einem offiziellen Positionspapier der EU-AG von Attac (Marburg 2002) und zum größten Teil einem Papier der Europa-AG von Attac Berlin, Sept. 2002. Die Abschnitte sind redaktionell bearbeitet.]

    [Alle Kommentare ausblenden] (79) [EU-AG von Attac:] Die Europäische Union gehört zu den Organisationen, die der Motor der neoliberalen/ kapitalistischen Globalisierung sind. Seit ihren Ursprüngen hat sie sich dem Ziel verschrieben, den "freien Wettbewerb" in einem einheitlichen Binnenmarkt zu realisieren. Zusammen mit den USA arbeitet sie auch in der Welthandelsorganisation (WTO) daran, die neoliberale Wirtschaftspolitik weltweit durchzusetzen. Ihre Vorschläge für eine weitere Liberalisierung der Dienstleistungssektoren zeigen, dass die EU in möglichst vielen Bereichen Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung vorantreiben möchte. Ein Ziel, dass vor allem den Interessen der großen Konzerne gerecht wird und unter dem insbesondere die Entwicklungsländer zu leiden haben.

    [Alle Kommentare ausblenden] (80) [Europa-AG von attac Berlin]

    [Alle Kommentare ausblenden] (81) Die EU hat die Ideologie des Freihandels und der Liberalisierung der Kapitalströme innerhalb Europas weit schneller und entschlossener umgesetzt, als die internationalen Handels- und Finanzinstitutionen auf globaler Ebene. Damit wurde in den EU-Mitgliedstaaten in weiten Teilen das vorgelebt, was heute weltweit durchgesetzt werden soll.

    [Alle Kommentare ausblenden] (82)

  • Schlüsselprojekt Binnenmarkt
    Schon seit den 60er Jahren können in Europa Waren grenzüberschreitend ohne Hindernisse gehandelt werden. Nach und nach wurde auch der Handel mit Dienstleistungen liberalisiert, grenzüberschreitende Investitionen wurden geschützt, Kapitalverkehrsbeschränkungen beseitigt und Regeln für den Schutz des freien Wettbewerbs eingeführt. Während der Verwirklichung des Binnenmarktprojektes stieg die Erwerbslosigkeit nahezu ununterbrochen. Die Durchsetzung des neoliberalen Wirtschafts- und Wachstumsmodells und die drastische Ausweitung des LKW- Verkehrs haben zu einem massiven Anstieg des Verbrauchs natürlicher Ressourcen und der Umweltzerstörung geführt, dem die EU-Umweltpolitik trotz einzelner Erfolge nichts entgegensetzen konnte. Trotz dieser schlechten Bilanz soll das Binnenmarkt-Modell jetzt im Rahmen der EU-Osterweiterung im wesentlichen unverändert auf die Beitrittsstaaten übertragen werden.

    [Alle Kommentare ausblenden] (83)

  • Der Euro
    [Die in diesem Abschnitt zum Ausdruck kommende Kritik am EU-Stabilitätspakt und an der Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ist strittig: Die dahinter zum Vorschein kommende neo-keynesianische Position widerspricht der Wachstumskritik, wie sie an anderer Stelle in diesem Entwurf formuliert wird.]

    [Alle Kommentare ausblenden] (84) Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) und die Einführung des Euro Anfang dieses Jahres sind ein wesentlicher Schritt zur Vollendung des Europäischen Binnenmarktes. Eine gemeinsame europäische Währung kann dazu beitragen, auch über Europa hinaus schädliche Wechselkursschwankungen sowie ihre spekulative Ausnutzung zu verhindern und die Koordinierung der Währungspolitik zu erleichtern. Mit den Grundpfeilern der EWWU werden allerdings die Weichen in eine Richtung gestellt, die im Hinblick auf ein demokratisches und solidarisches Europa höchst fragwürdig sind: Der europäische Stabilitätspakt schreibt die Verringerung der Haushaltsdefizite und der Staatsverschuldung verbindlich vor, ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche und soziale Situation in den Ländern Mitgliedstaaten zu nehmen. So wird nicht nur eine konjunkturfördernde Wirtschaftspolitik in Zeiten der Krise völlig verhindert. Die Verpflichtungen durch den Stabilitätspakt haben auch in zahlreichen Ländern zur Kürzung sozialer Leistungen geführt.
    Die Geldpolitik, vor allem die Bestimmung der Leitzinssätze, ist einer unabhängigen Europäischen Zentralbank übertragen, die vor allem dem Ziel der Inflationsbekämpfung verpflichtet ist. Während sich Kapitalanleger dadurch auf hohe Renditen ohne große Inflationsrisiken verlassen können, werden arbeitsmarktpolitische und konjunkturelle Auswirkungen der Geldpolitik vernachlässigt. Auch international läuft eine übermäßig stabilitätsorientierte Geldpolitik die Gefahr, eine Konkurrenz mit dem Dollar und anderen Währungen um die niedrigste Inflation und damit die höchsten Renditen zu provozieren, welche ausschließlich den Kapitalanlegern nützt.

    [Alle Kommentare ausblenden] (85)

  • Die Rolle der EU bei der weltweiten Handelsliberalisierung
    Zuletzt bei der Eröffnung einer neuen Verhandlungsrunde zur Liberalisierung des Welthandels in Quatar Ende 2001 hat sich die EU (Ministerrat und Kommission) als treibende Kraft bei der Handelsliberalisierung gezeigt. Während offiziell die Chancen der Liberalisierung für die Entwicklung armer Länder betont werden, erweist sich die EU hinter den Kulissen als harte Fürspre cherin der Expansionsinteressen der europäischen Industrie.

    [Alle Kommentare ausblenden] (86)

  • Das Ziel: wettbewerbsfähigster Wirtschaftsraum der Welt
    Welche Ziele sie mit ihrer Politik verfolgen, haben die EU-Regierungschefs mit einer im Jahr 2000 in Lissabon verabschiedeten Strategie deutlich gemacht: innerhalb von zehn Jahren soll die EU zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt werden. Dass dieses Wachstum der Mehrheit der Menschen nicht zugutekommen wird, ist absehbar: Ebenso wie die Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes zu mehr statt weniger Arbeitslosigkeit geführt hat, wird auch die Fortsetzung der Liberalisierungs- und Deregulierungslogik bei der Konstruktion des Euro und beim Umbau der sozialen Sicherungssysteme nicht die versprochenen Verbesserungen der Lebensbedingungen für alle Menschen bringen, sondern nur einige Wenige begünstigen. Auch die Beteuerungen, die internationale Handelsliberalisierung solle vor allem den Ländern des Südens nützen, verkommen vor dem Hintergrund der expansionistischen Ziele der EU zu einer Farce.

    [Alle Kommentare ausblenden] (87)

  • Agrarpolitik
    Über die Hälfte des Finanzhaushalts der Europäischen Union wird für die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ausgegeben. Noch immer steht dabei die Steigerung der Produktionsmengen im Vordergrund. Das führt unter anderem dazu, dass hoch subventionierte landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der EU an der Zerstörung regionaler Märkte in Entwicklungsländern beteiligt sind, Böden und Grundwasser verseucht werden und Methanemissionen nicht unerheblich zur Erwärmung der Erdatmosphäre beitragen. Diese Form der Agrarsubvention muss gestoppt werden, nicht nur weil sie in der bisherigen Form nach der geplanten Osterweiterung nicht mehr finanzierbar erscheint.

    [Alle Kommentare ausblenden] (88) II. ALTERNATIVEN

    [Alle Kommentare ausblenden] (89) II.1 LEITIDEEN:

    [Alle Kommentare ausblenden] (90) [ - Frauengerechte Weltwirtschaftsordnung (in Arbeit, Fertigstellung Anfang Juli)
    - Demokratisierung der Weltwirtschaft : Die Bedeutung des Lokalen/von Regionen,
    von Nationalstaaten, regionaler Zusammenschlüsse; Reform und Stärkung der UN
    - Zukunft der Arbeit (Zeitwohlstand u.a.)
    - Erhalt und Weiterentwicklung sozialer Sicherungssysteme

    Diese Aspekte sind in dem vorliegenden Entwurf noch nicht bearbeitet worden; z.T. sind Beiträge dazu erbeten worden, aber bisher noch nicht fertiggestellt. ]

    [Alle Kommentare ausblenden] (91) 1. Leitbild: Nachhaltige Entwicklung

    [Alle Kommentare ausblenden] (92) [Die Verwendung des Begriffes Nachhaltige Entwicklung ist innerhalb von Attac strittig. ]

    [Alle Kommentare ausblenden] (93) Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung zielt auf die Integration unterschiedlicher und häufig gegenläufiger Prozesse: die ökonomische Entwicklung von Gesellschaften bei Wahrung der ökologischen Lebensgrundlagen weltweit und unter Gewährleistung der Gerechtigkeit; das Postulat der Gerechtigkeit umschließt dabei nicht nur das gleiche Recht auf Entwicklung für alle jetzt lebenden Menschen in Nord und Süd, sondern auch für die zukünftigen Generationen.

    [Alle Kommentare ausblenden] (94) 1992 einigte sich die Weltgemeinschaft auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro auf das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, wobei die Industriestaaten ihre vorrangige Verantwortung für ein Umsteuern in Richtung ressourcenschonender Entwicklung anerkannten. Die Erklärung von Rio proklamiert: "Das Recht auf Entwicklung muss derart verwirklicht werden, dass die Bedürfnisse gegenwärtiger und zukünftiger Generationen auf Entwicklung und Umwelt gerecht erfüllt werden" (Grundsatz 3). Das Prinzip der "nachhaltigen Entwicklung" wird seitdem gerne für Fensterreden verwendet, tatsächlich umgesetzt wird jedoch das der neoliberalen Globalisierung, wie es in der WTO seit 1995 sinnbildlich institutionalisiert wurde: anstelle eines den Naturverbrauch beschränkenden Umweltschutzes das Niederreißen jeglicher Beschränkungen. Von den Betreibern der Globalisierung wird die Säule der ökonomischen Entwicklung auch als Wahrung der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit interpretiert, um damit die ökonomische Dominanz der Industriestaaten auf dem Weltmarkt zu legitimieren.

    [Alle Kommentare ausblenden] (95) Trotz der Vereinnahmung des Nachhaltigkeitskonzeptes ("nachhaltige Globalisierung") enthält dieses Konzept ein grundlegend kritisches Potential gegenüber den herrschenden ökonomischen und ökologischen Ausbeutungsverhältnissen. Nach dem Gleichheitsgrundsatz haben alle Menschen auf der Erde das gleiche Recht auf Entwicklung und damit gleiche Zugangs- und Nutzungsrechte zu Ressourcen und der Umwelt (Boden, Luft und Wasser). Dieses Recht wird jedoch begrenzt durch die Endlichkeit der Ökologie sowie die gleichrangigen Rechte zukünftiger Gene