Home   Was ist ot ?   Regeln   Mitglieder   Maintainer   Impressum   FAQ/Hilfe   Browser
 

Eigentum und Produktion am Beispiel der Freien Software
E-Mail:
Passw.:
 english italiano
Maintainer: Stefan Merten, Version 2, 27.07.2002  Druckversion
Projekt-Typ:
Status: Archiv

Eigentum und Produktion am Beispiel der Freien Software

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Vorbemerkung: Der vorliegende Text versteht sich als Teil eines Work in Progress. Er versucht bestimmte Gedankengänge, die im Projekt Oekonux gewachsen sind, auf das in der Überschrift genannte Thema zu fokussieren und einige neue Gesichtspunkte herauszuarbeiten. Er kann einige Aspekte nur anreißen und er versteht sich keinesfalls als abgeschlossen. Ziel wäre vielmehr die Anregung einer Diskussion.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) ToDo: Bemerkungen zu Durchkapitalisierung und Machtlosigkeit

Begriffsklärungen

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Vor einer direkten Befassung mit dem Thema dieses Textes möchte ich gerne die Begriffe klären, die verwendet werden. Neben der Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses scheint mir dies auch die Möglichkeit zu geben, diese teils sehr alten Begriffe in einem neuen Licht zu betrachten, das in einer emanzipatorischen Vision auf eine neue Vergesellschaftungsform jenseits alter Konfliktlinien hindeutet.

Individuelles Eigentum

Eigentum als formales Konstrukt

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Der Begriff Eigentum ist an sich schon ein sehr vielschichtiger Begriff. Eine eingehende Betrachtung des Begriffs kann im Rahmen dieses Textes nicht geleistet werden. Wichtig ist jedoch, daß Eigentum eine soziale Form ist, die nicht ohne eine formale Festlegung auskommt. In der bürgerlichen Gesellschaft wird diese Festlegung i.d.R. in Verträgen festgehalten. Die Notwendigkeit einer formalen Festlegung deutet aber schon an, daß es sich beim Eigentum nicht um eine selbstverständliche soziale Praxis handelt. Vielmehr ist es eine Form, die notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden muß.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Mit Blick auf eine emanzipatorische Vision ist es sinnvoll, dem Eigentum den Begriff Besitz entgegenzustellen. Im Gegensatz zum Eigentum beschreibt Besitz ein Verhältnis zwischen Menschen und Dingen, das einer bestimmten sozialen Praxis entspricht: Ein Mensch be-sitzt genau dann etwas, wenn eine direkte Nutzung des Dings durch die BesitzerIn erfolgt.

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Aus diesem kleinen Unterschied ergeben sich erhebliche Konsequenzen. So ist die Menge von Dingen, für die ein einzelner Mensch als EigentümerIn auftreten kann, nicht nur grundsätzlich unbegrenzt, sondern auch jenseits vertraglicher Festlegungen nicht unbedingt ersichtlich. Die Menge von Dingen, die ein Mensch direkt nutzt, ist hingegen nicht nur verhältnismäßig begrenzt, sondern auch im sozialen Kontext vergleichsweise einfach erkennbar.

[Alle Kommentare ausblenden] (8) Ein Beispiel aus unserer alltäglichen Lebenspraxis macht diese Unterscheidung augenfällig: Die MieterIn einer Wohnung ist deren BesitzerIn, da sie die Wohnung direkt nutzt. Die VermieterIn ist hingegen die EigentümerIn der Wohnung, die nur indirekten Nutzen aus der Wohnung zieht - eben die Miete.

Eigentum wozu?

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Wollen wir den Begriff Eigentum in einer emanzipatorischen Vision verwenden, so ist zu klären, welchen konkreten Nutzen Eigentum eigentlich hat. Nur so können die wünschenswerten Teile eines solchen Begriffs in eine neue Vergesellschaftungsform hinübergenommen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Naheliegend ist der Nutzen der Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten, die durch Eigentum gegeben sind. Per Definition vergrößert Eigentum die Handlungsmöglichkeiten der EigentümerIn, weil es ihr mehr oder weniger unbeschränkte Verfügungsmöglichkeiten über das Eigentum gewährt - bis hin zur Zerstörung des Eigentum. Eine Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten ist aber zunächst stets eine Erweiterung von Freiheit, so daß diese Qualität von Eigentum in einer emanzipatorischen Vision erhalten bleiben muß.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) Auf der anderen Seite schränkt Eigentum natürlich auch Handlungsmöglichkeiten und damit Freiheit ein - nämlich gerade für die Nicht-EigentümerInnen. Wenn eine EigentümerIn die Verfügungsgewalt über ein Eigentum hat, so hat sie damit natürlich auch die Möglichkeit andere von der Nutzung des Eigentums auszuschließen.

[Alle Kommentare ausblenden] (12) Dieser Ausschluß der Nutzung durch andere kann einerseits inhaltliche Gründe haben. Dies ist inbesondere dann gegeben, wenn die direkte Nutzung des Eigentums - der Besitz also - nicht anders als durch Ausschluß anderer gewährleistet werden kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Andererseits gibt es aber auch indirekte Gründe, die einen Nutzungsausschluß der Nicht-EigentümerInnen für die EigentümerIn attraktiv machen. Die bürgerliche Gesellschaft ist geradezu darauf gegründet, durch Ausgrenzung der Nicht-EigentümerInnen deren Bedürfnisbefriedigung unter Bedingungen zu stellen. Bei Waren schlägt sich dies im Kaufpreis nieder, der als Bedingung für die Übertragung des Eigentums gestellt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (14) ToDo: Link zu Lizenzen, die keine Eigentumsübertragung darstellen, sondern lediglich ein Nutzungsrecht einräumen?

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Zusammen mit der formalisierten und in auf Eigentum gegründeten Gesellschaften mit Gewalt bewehrten Eigenschaft der Unbegrenztheit, eignet sich Eigentum hervorragend, um neben einer direkten Nutzung auch indirekte, entfremdete Nutzungsarten zu ermöglichen.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Das Beispiel der Mietswohnung zeigt dies: Während die MieterIn eine direkte Nutzung der Wohnung betreibt, hat die VermieterIn nur ein entfremdetes, nämlich geldförmiges Interesse an der Wohnung. Dieses entfremdete Interesse ist aber der zentrale Antrieb für den Erwerb von Eigentum.

[Alle Kommentare ausblenden] (17) Mit dem Entfremdungspotential von Eigentum geht ein erheblicher Teil der negativen Eigenschaften einher, die in einer emanzipatorischen Vision überwunden werden müssen.

[Alle Kommentare ausblenden] (18) In der bürgerlichen Gesellschaft wird Eigentum insbesondere dazu eingesetzt, um Knappheit zu erzeugen. Besonders augenfällig wird dies heute in den Debatten um geistiges Eigentum. Während durch die historisch neue Möglichkeit der digitalen Kopie Informationen heute praktisch zum Nulltarif beliebig reproduzierbar sind, müssen sie zur Erhaltung der Wareneigenschaft künstlich verknappt werden - denn nur knappe Güter können sinnvoll verkauft werden und erst dadurch Wareneigenschaft bekommen. Scheint bei Gütern mit nennenswerten Produktionskosten eine Verknappung noch durch die stofflich gegebene begrenzte Verfügbarkeit gerechtfertigt, so ist im Fall der Verknappung digitaler Kopien offensichtlich, daß die künstlich herbeigeführte Knappheit ausschließlich entfremdeten Geldinteressen dient.

[Alle Kommentare ausblenden] (19) Neben der Verknappung begünstigt die durch Eigentum mögliche Entfremdung aber noch einen weiteren, subtileren Aspekt. Die EigentümerIn ist nicht mehr primär an den stofflichen Qualitäten des Eigentums interessiert; vielmehr dienen diese nurmehr als Vehikel für die entfremdete Nutzung als Ware. Auf einem Markt, auf dem sich nur WarenanbieterInnen treffen, wird also tendenziell nicht die maximale, sondern nur noch die für eine Vermarktung gerade eben nötige stoffliche Qualität von Gütern erreicht. Für eine emanzipatorische Vision ist aber die Orientierung auf eine maximale Güterqualität unabdingbar, so daß auch von dieser Perspektive her eine Überwindung der Entfremdungspotentiale von Eigentum angezeigt ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Steht der direkte Nutzen eines Gutes zur Debatte, so ist die direkte NutzerIn zweifellos diejenige, die dies am besten beurteilen kann - auch wenn sie die entsprechenden Gütereigenschaften vielleicht nicht immer selbst erzeugen kann.

Besitz als emanzipatorische Form von Eigentum

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Verstehen wir Besitz also als das, was der direkten Nutzung durch die BesitzerIn unterliegt, so beinhaltet es die positive Eigenschaft von Eigentum (Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten), während es die negativen Qualitäten (Einschränkung von Bedürfnisbefriedigung der Nicht-EigentümerInnen, Entfremdungspotential mit Tendenz zu Verknappung und suboptimaler Qualität) vermeidet. In der Konsequenz können wir also unter emanzipatorischem Blickwinkel Eigentum als das verstehen, was wir heute als Besitz kennen.

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Ob es sich bei solchem Eigentum um individuelles oder kollektives Eigentum handelt ist nach diesen Definitionen unerheblich. Wenn von einer direkten Nutzung ausgegangen wird, dann unterscheidet sich kollektives Eigentum von individuellem dadurch, daß es der direkten Nutzung einer Gruppe von Menschen unterliegt anstatt eines einzelnen Individuums.

[Alle Kommentare ausblenden] (23) Allerdings tritt bei kollektivem Eigentum Konfliktpotential auf, da die Individuen des Kollektivs unterschiedliche Ansichten über die bezogen auf die kollektive Nutzung je angemessene Behandlung des kollektiven Eigentums haben können. Diese Frage liegt im Bereich der Konfliktlösung in Kollektiven und ist eine eigene Diskussion wert. Festzuhalten bleibt aber, daß das Konfliktpotential in den meisten Fällen erheblich entschärft sein dürfte, wenn entfremdete Nutzungen des kollektiven Eigentums gar nicht erst möglich sind, sondern es nur noch um eine Optimierung des konkreten Nutzens geht.

[Alle Kommentare ausblenden] (24) Im Sinne einer emanzipatorischen Vision ist es also zunächst sinnvoll, auf den aus der bürgerlichen Gesellschaft tradierten Begriff Eigentum zu verzichten, und stattdessen vielmehr auf den aus einer sozialen Praxis gewachsenen Begriff Besitz einzugehen. Dies fällt deswegen leicht, weil Besitz die für eine emanzipatorische Vision wesentlichen Qualitäten des Begriffs Eigentum umfaßt, während es andere, eher hinderliche Qualitäten vermeidet.

[Alle Kommentare ausblenden] (25) ToDo: Besitz und Verantwortung => Stellt sich automatisch ein

[Alle Kommentare ausblenden] (26) ToDo: Wenn Knappheit überwunden wird, wird Eigentum überflüssig.

Vergesellschaftete Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (27) Ist Eigentum ein recht vielschichtiger Begriff so scheint der Begriff Produktion wesentlich leichter greifbar zu sein: Vorgänge, in denen Naturstoffe oder Vorprodukte in andere Produkte umgewandelt werden. Dabei ist es von einem sachlichen Standpunkt aus unerheblich, wer bestimmte Teile einer Produktion konkret zuwege bringt (Maschine, Mensch oder auch ein Naturprozeß). Weiterhin ist es unerheblich, ob es sich bei dem Produkt um ein stoffliches oder geistiges Produkt handelt.

[Alle Kommentare ausblenden] (28) Sprechen wir von vergesellschafteter Produktion, so ist damit zunächst eine Produktionsweise gemeint, bei der nicht einzelne Menschen oder kleine Gruppen autonom die Produktion je ihrer Gütern regeln, sondern bei denen der Produktionsprozeß über die Gesellschaft verteilt ist. Hierbei gilt es mehrere Aspekte zu unterscheiden.

Ausführung der Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (29) Die Produktion komplexer Produkte, wie sie auf dem erreichten Stand der Produktivkraftentwicklung die Regel sind, wird nicht von einzelnen Menschen oder kleinen Gruppen zuwege gebracht. Vielmehr fließt in komplexen Produkten eine Vielzahl elementarer Produktionsprozesse zusammen, die von ganz unterschiedlichen Akteuren beigesteuert werden. Heute sind die Akteure dabei durchaus über den gesamten Globus zerstreut.

[Alle Kommentare ausblenden] (30) Die ungeheure Arbeitsteiligkeit moderner Produktion ist ein unmittelbares Ergebnis einer ständig steigenden Komplexität des Gesamtproduktionsprozesses an sich. Diese steigende Komplexität ist ihrerseits ein Ausfluß der technischen Entwicklung, die immer zahlreichere und immer differenziertere technische Vorgänge ermöglicht, die für die Produktion relevant sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (31) Ein mögliches Ergebnis dieser Technikentwicklung ist die immer stärkere Automatisierung, in der Produktionsprozesse von Menschen auf Maschinen verlagert werden. Automatisierung kann überall dort stattfinden, wo die spezifischen Fähigkeiten von Menschen durch maschinelle Prozesse ersetzt werden können. Dieses Potential von Automatisierung erhöht die Handlungsmöglichkeiten von Menschen, da diese dann die Wahl haben, ob sie den automatisierbaren Prozeß selbst ausführen wollen, oder ob sie ihre Zeit und Energie lieber mit anderen Dingen zubringen wollen. Daher muß eine weitere Steigerung von Automatisierung in einer emanzipatorischen Vision von zentraler Bedeutung sein.

[Alle Kommentare ausblenden] (32) Weiter ist festzuhalten, daß die hohe Arbeitsteiligkeit eine ungeahnte Menge an Gebrauchswerten hervorbringt, die mit weniger Arbeitsteilung nicht erreicht werden kann. Die Arbeitsteilung ist dabei auch eine Folge der ständig steigenden Komplexität der gesamtgesellschaftlichen Produktion sowohl hinsichtlich der Vielzahl von Produktionsprozessen als auch hinsichtlich ihrer inneren Differenziertheit und Kompliziertheit. Aus diesem Grund kann eine emanzipatorische Vision einer vergesellschafteten Produktion nicht ohne guten Grund hinter den erreichten Grad an Arbeitsteiligkeit zurückfallen.

[Alle Kommentare ausblenden] (33) ToDo: Spezialisierung und Zentralisierung

Organisation der Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (34) Findet die Produktion eines Guts nicht in einer sozialen Einheit (z.B. Betrieb) statt, so benötigen die über die Gesellschaft verstreuten ProduzentInnen eine Organisation, die den konkreten Ablauf und das möglichst reibungslose Ineinandergreifen verschiedener Produktionen regelt.

[Alle Kommentare ausblenden] (35) In geldbasierten Gesellschaft geschieht diese, in einer arbeitsteiligen Produktionsweise objektiv notwendige Organisation durch die "unsichtbare Hand des Marktes", die sich allerdings bekanntlich nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, sondern vielmehr an Kapitalströmen orientiert ist. Folgerichtig funktioniert diese Organisation gar nicht, wenn in einer geldbasierten Gesellschaft der Faktor Geld aus dem einen oder anderen Grund herausgenommen wird. Tauschringe belegen z.B. eindrucksvoll, wie nach wie vor auf Tausch fixierte Geldmonaden eine echte Produktion in der Regel gar nicht und wenn dann nur auf niedrigstem Niveau hinbekommen.

[Alle Kommentare ausblenden] (36) Eine emanzipatorische Vision hätte also Lösungen für dieses Organisationsproblem zu benennen.

Entscheidung über die Produktion

[Alle Kommentare ausblenden] (37) Der dritte Aspekt einer vergesellschafteten Produktion, der mit der Frage der Organisation zwar zusammenhängt, aber dennoch getrennt davon zu betrachten ist, ist die Frage, wer darüber entscheidet, was wann produziert werden soll. In einer emanzipatorischen Vision ist grundsätzlich davon auszugehen, daß die Produktion sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Entscheidungen über die Produktion müssen sich daher einerseits an den Nutzungsbedürfnissen der Menschen orientieren. Andererseits müssen sie die Bedürfnisse der Menschen in der Produktion selbst berücksichtigen.

[Alle Kommentare ausblenden] (38) Fallen entfremdete Interessen wie das Geldinteresse weg, so reduzieren sich die möglichen Konflikte in solchen Entscheidungsprozessen auf unterschiedliche Einschätzungen sachlicher Aspekte. Die Entscheidungen über den Einsatz z.B. von Naturressourcen wird dadurch sicher nicht wirklich leicht, aber sicher wäre schonmal viel gewonnen, wenn wir immer auf der sachlichen Ebene einer Entscheidung bleiben könnten und nicht sachfremde, entfremdete Interessen inhaltlich sinnvolle Lösungen blockieren würden.

Universelle Entwicklung der Individuen

[Alle Kommentare ausblenden] (39) Einfach ist die Antwort auf die Frage, was unter der universellen Entwicklung der Individuen zu verstehen ist: Selbstentfaltung.

[Alle Kommentare ausblenden] (40) Der Begriff der Selbstentfaltung geht dabei über den individualisierenden Begriff der Selbstverwirklichung hinaus, indem er ständig das gesellschaftliche Sein eines Menschen im Blick behält. Gleichzeitig ist Selbstentfaltung ein Wachstumsprozeß, der erst mit dem Tod des Individuums endet.

[Alle Kommentare ausblenden] (41) Die Inhalte von Selbstentfaltung - was also ein Individuum als Selbstentfaltung begreift - sind dabei so verschieden wie die Individuen selbst. Insbesondere ist es durchaus möglich, daß Tätigkeiten, die einem Menschen zuwider sind, anderen Freude bereiten und damit Teil ihrer Selbstentfaltung sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (42) Ein Teil von Selbstentfaltung ist die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln, da eine entfaltete Persönlichkeit ohne ein Bewußtsein von Verantwortung undenkbar ist. Aus einer solchen Annahme von Verantwortung wird auch die Erledigung ungeliebter Notwendigkeiten ein Teil von Selbstentfaltung - wobei dann die Abschaffung solcher Notwendigkeiten ebenso ein Ziel von Selbstentfaltung sein wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (43) ToDo: Ausführlicher

Universelle Entwicklung der Gesellschaft

[Alle Kommentare ausblenden] (44) Individuelle Selbstentfaltung so verstanden eröffnet in einer emanzipatorischen Vision die Möglichkeit einer Gesellschaft, die ihre Mitglieder nicht mehr strukturell oder unmittelbar zwingen muß, sondern wo sich die individuelle Unterschiedlichkeit der Menschen zu einem komplexen Ganzen verwebt. In einer solchen gesellschaftlichen Formation wird die individuelle Selbstentfaltung genauso die Voraussetzung für die Entfaltung der Gesamtgesellschaft, wie die Entfaltung der Gesamtgesellschaft Lebensgrundlage und Mittel für die individuelle Selbstentfaltung bietet.

[Alle Kommentare ausblenden] (45) Eine Gesellschaftsformation in der das Gesamtinteresse und das individuelle Interesse so stark übereinstimmen, wird viele Probleme, die heute aus der (erzwungenen) Konkurrenz von Gesellschaftsmitgliedern erwachsen, gar nicht erst haben.

[Alle Kommentare ausblenden] (46) ToDo: Herrschaftsmodell als universelle Entfaltung der Gesellschaft?

[Alle Kommentare ausblenden] (47) ToDo: Staat?

Bedingungen einer emanzipatorischen Vision

[Alle Kommentare ausblenden] (48) Nach diesen Begriffsklärungen möchte ich nun eingehender zum Thema des Textes Stellung nehmen. Dabei ist unter anderem zu erörtern, ob die oft angenommene Widersprüchlichkeit "von individuellem Eigentum und vergesellschafteter Produktion" überhaupt sein muß. Es könnte ja durchaus sein, daß Verhältnisse, die gerade auf der Vereinbarkeit von individuellem Eigentum und vergesellschafteter Produktion gründen, die Voraussetzung einer emanzipatorischen Vision auf dem erreichten Stand der Produktivkraftentwicklung sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (49) Als ständig wiederkehrendes Beispiel für ein modernes Phänomen, das einige dieser Verhältnisse keimförmig zeigt, soll in diesem Text die Freie Software dienen. Dazu zunächst einige Erläuterungen.

Freie Software

Zum Begriff Freier Software

[Alle Kommentare ausblenden] (51) ToDo: Füllen

Zur Geschichte Freier Software

[Alle Kommentare ausblenden] (52) ToDo: Füllen

Freie Software als Keimform

[Alle Kommentare ausblenden] (53) Wenn wir von dem Phänomen Freie Software als Keimform einer neuen Vergesellschaftungsform sprechen, so betonen wir damit, daß an diesem Phänomen Aspekte studiert werden können, die in ihrer Tendenz auf eine Überwindung überkommener Formen der Geldgesellschaft verweisen. Damit ist weder ausgesagt, daß Freie Software als solche die Geldgesellschaft überwinden kann, noch daß es einen irgendwie gearteten historischen Automatismus gibt, der die Menschen von politischem Handeln befreit.

[Alle Kommentare ausblenden] (54) Als Keimform zeigt Freie Software allerdings Formen menschlichen Handelns auf, die auf eine emanzipatorische Weise die Geldgesellschaft ganz praktisch in einigen Bereichen hinter sich lassen. Zwar gibt es viele historische Beispiele für Vorgänge, die ebenfalls die Geldgesellschaft hinter sich ließen, jedoch keines, das so unerwartet so erfolgreich geworden wäre und auch sonst so viele interessante Aspekte aufzuweisen hat:

[Alle Kommentare ausblenden] (55) * Freie Software hat als Produkt einen hohen gesellschaftlichen Nutzen sowohl was die pure Verfügbarkeit für viele Menschen betrifft als auch die konkrete Qualität, die in Freier Software oft steckt. Dies erhöht die Handlungsmöglichkeiten vieler Menschen erheblich.

[Alle Kommentare ausblenden] (56) * Freie Software wird von ganz normalen Menschen hergestellt, weil es zu deren unmittelbarer Selbstentfaltung gehört. Ideologische Überlegungen gehören dazu nur selten. Die Handelnden in diesem Prozeß sind also keine besseren, weiseren oder sonstwie übermäßig begnadeten Menschen. Oft sind sie aber auf ihrem Gebiet hervorragend.

[Alle Kommentare ausblenden] (57) * Die ProduzentInnen Freier Software organisieren sich nach je eigenem Gusto in verschiedenster, je ihren Bedürfnissen angepaßter Weise. Hier wird ganz selbstverständlich ein soziales Experimentierfeld genutzt, auf dem unterschiedlichste Formen nebeneinander existieren können.

[Alle Kommentare ausblenden] (58) * Ganz praktisch unterläuft Freie Software die Geldform - nicht aus karitativen Gründen sondern unter anderem weil die Geldform die Effizienz der Produktion schmälern würde. Hier ist deutlich zu erkennen, wie die Entwicklung der Produktivkräfte beginnt über die Produktionsverhältnisse hinauszuwachsen.

[Alle Kommentare ausblenden] (59) * Freie Software konnte sich in erheblichen Bereichen gegen einen etablierten Warenmarkt durchsetzen und die Entwicklung auf diesem Sektor ist noch lange nicht abgeschlossen. Insbesondere dieser Erfolg dürfte bislang noch keinem Produkt vergönnt gewesen sein, das auf ähnlichen Grundlagen wie Freie Software hergestellt wurde.

[Alle Kommentare ausblenden] (60) * Freie Software wird mit hochmodernen technischen Mitteln erstellt, die die Spitze der Produktivkraftentwicklung darstellen. Immer öfter wird die Produktivkraftentwicklung selbst sogar von Entwicklungen in der Freien Software vorangetrieben. Das Internet als ein Ausfluß Freier Entwicklung hat mittlerweile sogar schon für - mittlerweile zusammengebrochene - Hypes auf den Geldmärkten gesorgt.

[Alle Kommentare ausblenden] (61) * Die ProduzentInnen Freier Software kooperieren ganz selbstverständlich auf internationaler Basis. Dabei übertreffen sie locker die Bemühungen der mächtigsten Firmen der Geldgesellschaft, die mit der Zusammenführung unterschiedlichster Kulturen nach internationalen Übernahmen trotz teilweise erheblichem Mitteleinsatz oft riesige Schwierigkeiten haben.

[Alle Kommentare ausblenden] (62) * Trotz des transkapitalistischen Gehalts Freier Software engagieren sich große Firmen wie IBM erheblich für dieses Entwicklungsmodell und staatliche Stellen von ganz unten (Kommunen) bis ganz oben (Bundestag) beginnen sich auf breiter Front für den Einsatz Freier Software zu interessieren. Gerade dieser Widerspruch scheint ein Hinweis auf die Keimformeigenschaft, da in ihr die ansatzweise die Synthese sichtbar wird, die eine Keimform aus These und Antithese der vorherigen Formation bilden muß, um erfolgreich als Muster für ein neues Modell gelten zu können.

Eigentum

[Alle Kommentare ausblenden] (63) In den folgenden Betrachtungen spielt die Unterscheidung zwischen individuellem und kollektivem Eigentum eine untergeordnete Rolle. Ich lasse sie daher beiseite.

[Alle Kommentare ausblenden] (64) Ich unterscheide im folgenden dagegen zwischen Informationsgütern und materiellen Gütern. Diese Unterscheidung kann zwar getroffen werden, seit die Menschheit existiert, jedoch ist die Bedeutung von Informationsgütern erst in unserer Zeit in ein entscheidend neues Stadium getreten.

[Alle Kommentare ausblenden] (65) Der eigenständige Charakter von Informationsgütern ergibt sich daraus, daß Informationsgüter zwar immer an ein materielles Substrat gebunden sind (z.B. Bücher, CDs, Gehirne), das Wesen des Guts aber nicht auf dieses materielle Substrat reduzierbar ist. Dies bedeutet insbesondere auch, daß das je verwendete Substrat austauschbar ist, solange die Information nur geeignet darauf repräsentiert werden kann. Mit der modernen Technikentwicklung entmaterialisiert dieses Substrat immer mehr. Beim Surfen durch das World Wide Web (WWW) ist - abgesehen von kurzlebigen Platten-Caches - spätestens nach dem Ausschalten des Surf-Computers die abgerufene Information wieder vollständig von jeglichem lokalen materiellen Substrat verschwunden. Selbst bei Mobiltelefonen ist das Substrat der Informationsübertragung nur noch mit aufwendigen Messungen überhaupt sichtbar zu machen.

Eigentum an Informationsgütern

Geistiges Eigentum in der Geschichte

[Alle Kommentare ausblenden] (67) Historisch ist das Konzept des Eigentums an Informationsgütern - besser bekannt unter der Bezeichnung geistiges Eigentum - relativ neu. Tatsächlich deutet vieles darauf hin, daß dieses Konzept erst entstanden ist, als Informationsgüter an materielle Güter nicht nur gebunden wurden, sondern diese auch auf einem Markt verkauft werden konnten. Hierzu gibt es Beispiele sowohl aus dem Bereich der Bücher als auch der Musikmedien (Schallplatten und ihre Vorläufer).

[Alle Kommentare ausblenden] (68) Das Interesse an dem Konzept des geistigen Eigentums liegt daher damals wie heute nicht so sehr bei den ProduzentInnen des geistigen Eigentums sondern vielmehr bei den Verlagen, die dieses geistige Eigentum aufbereiten, auf ein materielles Substrat übertragen und dieses Substrat vertreiben. Das Interesse der Verlage folgt unmittelbar daraus, daß dieses materielle Substrat als verkaufbare Ware dienen soll und daher sowohl das Substrat selbst als auch die auf ihm repräsentierte Information knapp sein und bleiben muß. Ist diese Knappheit nicht mehr gewährleistet, so ist die Verkäuflichkeit der Informationsware und damit die Profitgenerierung der Verlage bedroht.

[Alle Kommentare ausblenden] (69) Die ProduzentInnen hatten und haben dagegen im allgemeinen kein besonderes Interesse an einer Verknappung. Sie stellen ja im Gegenteil das Informationsgut im allgemeinen vielmehr zur allgemeinen Benutzung her. Besonders deutlich wird dies in der Wissenschaft, wo seit jeher der Fluß von Informationen in der Wissenschaftsgemeinschaft als Fundament für die Weiterentwicklung angesehen wurde. Jede Verknappung behindert diesen Fluß und damit die Weiterentwicklung der Wissenschaft. Eine Verknappung von Information ist auch nicht durch eine Begrenzung begründet, da Information im Gegensatz zu materiellen Gütern die Eigenschaft hat, durch Verbreitung nicht weniger zu werden: Das Wissen, daß in meinem Kopf ist, wird nicht dadurch weniger, daß ich es anderen mitteile. Genausowenig wird die Information auf einer CD dadurch weniger nützlich, daß eine Kopie von ihr angefertigt wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (70) Natürlich müssen in der Warengesellschaft auch WissenschaftlerInnen und z.B. KünstlerInnen ein Einkommen haben. Es ist jedoch keine Selbstverständlichkeit, daß dieses Einkommen unmittelbar an die Erzeugung von Informationsgütern gebunden ist. Tatsächlich werden WissenschaftlerInnen in der Regel nicht für bestimmte Einzelleistungen bezahlt, sondern werden für ihre wissenschaftliche Arbeit im Ganzen entlohnt. Historisch ähnelt dies den Mönchen, deren Versorgung durch das Kloster sichergestellt war. Deren individuelle Leistung bei der Erzeugung von Informationsgütern wurde dagegen als so irrelevant betrachtet, daß heute oft nicht mal mehr zu ermitteln ist, wer bestimmte Leistungen tatsächlich vollbracht hat.

Geistiges Eigentum heute

[Alle Kommentare ausblenden] (71) Betrachten wir die Entwicklung der Produktivkräfte, so läßt sich feststellen, daß die Bedeutung von Information immer stärker steigt. Dieser Trend, der von Marx als Verwissenschaftlichung bezeichnet worden ist, läßt sich in der Realität vielfach verorten: Eine moderne industrielle Produktionsstätte ohne Computer ist heute kaum noch vorstellbar - nicht zu reden von dem vielfältigen Geflecht von Lieferbeziehungen zwischen den Produktionsstätten.

[Alle Kommentare ausblenden] (72) Konsequenterweise verschiebt sich auch der Fokus bei den Eigentumsverhältnissen. Dabei verliert das Eigentum an materiellen Produktionsmitteln zunehmend an Bedeutung. Dies wird z.B. im Franchising sichtbar, bei dem nicht mehr konkrete Produktionsmittel im Vordergrund stehen, sondern nur noch Marken verkauft werden. Das Eigentum an Informationsgütern bzw. Informationswaren wird dagegen immer wichtiger. Es ist kein Zufall, daß die WIPO (World Intellectual Property Organization, http://www.wipo.org/) 1970 gegründet wurde, aber erst anläßlich des Copyright Treaty [http://www.wipo.int/treaties/ip/wct/index.html] 1996 sowohl an Bedeutung als auch an öffentlicher Wahrnehmung gewann.

[Alle Kommentare ausblenden] (73) Mit der digitalen Kopie betritt in dieser Situation eine technologische Entwicklung die Bühne der Geschichte, die mit ihren Möglichkeiten die Verbreitung (digitaler) Information so einfach macht wie nie zuvor. Auf der Grundlage der in den industrialisierten Staaten vorhandenen Infrastruktur ist das verlustfreie Erstellen von Kopien, mithin also die Reproduktion von Informationsgütern, mit vernachlässigbaren Kosten verbunden. Die besondere Eigenschaft von Informationsgütern durch Verbreitung nicht weniger zu werden, wird durch die digitale Kopie von einer grundsätzlichen Möglichkeit zur manifesten und alltäglichen Tatsache.

[Alle Kommentare ausblenden] (74) Dazu kommt, daß die digitale Kopie universell gegenüber den Inhalten ist, da immer nur gleichförmig Bits kopiert werden. Sie läßt sich hier mit dem Elektromotor als einer der entscheidenden Erfindungen der industriellen Ära vergleichen. Wie der Elektromotor maschinelle Bewegungsenergie überall da für jeden beliebigen Zweck verfügbar macht, wo Strom zur Verfügung steht, so ist mit der digitalen Kopie überall da die Reproduktion von Informationsgütern möglich, wo die entsprechenden Kopiereinrichtungen - d.h. Computer und ggf. Netzwerke - zur Verfügung stehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (75) Es liegt auf der Hand, daß hier ein Konfliktpotential entsteht. Auf der einen Seite sind die, die Verknappung von Informationsgütern benötigen, um die Wareneigenschaft der von ihnen gefertigten Informationsträger zu sichern. Diese Konfliktpartei braucht die durch geistiges Eigentum sichergestellte Verknappung überlebensnotwendig. Ein derzeit besonders öffentlichkeitswirksamer Konflikt spielt sich im Bereich der Musik ab, wo die Musikindustrie ein vitales Interesse daran hat, die überkommenen Formen von Erzeugung, Herstellung und Vertrieb von Musikwaren zu erhalten.

[Alle Kommentare ausblenden] (76) Auf der anderen Seite stehen einerseits die (potentiellen) NutzerInnen der Informationsgüter, die die Verknappung durch die Anbieter von Informationswaren als Preis erleben, der durch die Möglichkeiten der digitalen Kopie erheblich gesenkt werden könnte. Ein weiteres Beispiel sind hier die Raubkopien, die Software-Waren praktisch zum Nulltarif reproduziert.

[Alle Kommentare ausblenden] (77) Andererseits stehen auf der anderen Seite aber auch die ProduzentInnen der Informationsgüter selbst, die aus unterschiedlichen Gründen ein Interesse an der Verbreitung der Informationsgüter haben. In der Wissenschaft gibt es mittlerweile vielfältige Initiativen, die Ergebnisse wissenschaftlicher Tätigkeit allgemein zugänglich zu machen (s. z.B. die Public Library of Science [http://www.publiclibraryofscience.org/]).

[Alle Kommentare ausblenden] (78) Doch auch in Bereichen, in denen die digitale Kopie nicht unmittelbar eine Rolle spielt, gibt es Bewegungen, die die künstliche Verknappung von Information durch Patente und/oder Copyright-Regelungen zunehmend in Frage stellen. Bekannt geworden ist insbesondere das Beispiel der Herstellung von Generika (s. z.B. http://www.genericsnow.org oder http://www.accessmed-msf.org/). Hier wird die Information über die stoffliche Zusammensetzung eines Medikaments direkt für die Produktion des materiellen Guts eingesetzt, deren Kosten im Einzelfall relativ niedrig sind.

Freie Software und geistiges Eigentum

[Alle Kommentare ausblenden] (79) An vielen Stellen wird heute also die Legitimität zunehmend in Frage gestellt - kein Wunder, daß die entsprechenden Machtgruppen um so aggressiver auf einer Einhaltung des geistigen Eigentums bestehen. Gab schon bei Einführung des Patentregimes im 19. Jahrhundert heftige Diskussionen um diese Frage, so ist in der Tat heute immer weniger klar, inwieweit geistiges Eigentum einen positiven Beitrag zur Entfaltung der Menschheit leistet. Die heute durch technische Begrenzungen immer weniger begründete Verknappung dient allerdings der Sicherung der Profite einiger weniger.

[Alle Kommentare ausblenden] (80) Bei genauerem Hinsehen stellt sich auch das oft vorgebrachte Anreizargument als Scheinargument heraus: Wirklich innovative geistige Leistungen werden in aller Regel aus ganz anderen Motiven heraus vollbracht, als der Aussicht auf eine Vermarktung der in Warenform gegossenen Ergebnisse. Es gibt sogar Hinweise darauf, daß entfremdete Anreizsysteme wie Geld Motivation und damit kreative Leistung tendenziell gefährden (s. z.B. http://www.gnu.org/philosophy/motivation.html).

[Alle Kommentare ausblenden] (81) Mit der Freien Software ist seit knapp zwanzig Jahren nun ein Phänomen in der Entstehung begriffen, daß all diese Linien aufgreift und zu einer erfolgreichen Synthese vereinigt. Das staatliche Copyright-Regime wird bei Freier Software nur noch dazu benutzt, um es in sein Gegenteil zu verkehren: Copyleft. Das Konzept geistigen Eigentums ist für Freie Software insofern nicht mehr relevant, wie es zur Durchsetzung von Knappheit dient. Freie Software kann und soll vielmehr frei und ohne Behinderung fließen können. Dies umfaßt sowohl die direkt benutzbaren Programme als auch deren menschenlesbaren Quellen.

[Alle Kommentare ausblenden] (82) Neben der Verfügbarkeit für potentielle NutzerInnen ist mit diesem Vorgehen auch ein maximaler Nutzen für die ProduzentInnen gewährleistet. Diese können auf freiwilliger Grundlage miteinander kooperieren und durch Code-Inspektion voneinander lernen, ohne daß sie durch eine künstliche Verknappung behindert würden. Sie tragen so gemeinsam zu einem ständig größer werdenden Pool Freier Informationsgüter bei, dessen gemeinsamer Nutzen ständig steigt.

[Alle Kommentare ausblenden] (83) Dadurch, daß künstliche Verknappung ausgeschaltet ist, gibt es auch keinen entfremdeten Nutzen mehr, der aus Freier Software gezogen werden könnte. Dies schlägt sich unmittelbar in der Produktqualität nieder, die gerade im Vergleich mit als Ware produzierter proprietärer Software oft in vielfältiger Weise höher ist. Augenfällig wird demonstriert, daß wenn entfremdete Gründe für eine Produktion nicht mehr existieren, der unmittelbare Nutzen eines Produkts der wichtigste Grund für seine Produktion wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (84) Auf dem erreichten Stand der Produktivkraftentwicklung sind also sowohl die Handlungsmöglichkeiten von Individuen als auch eine überindividuelle Entfaltung maximal gewährleistet, wenn Informationsgüter allen Frei zur Verfügung stehen. Freie Software zeigt also keimförmig, wie im Bereich der Informationsgüter das Eigentum einer emanzipatorischen Vision aussehen muß: Es darf nicht existieren. Das Eigentumsregime in einer emanzipatorischen Vision hat im Bereich der Informationsgüter lediglich die künstliche Verknappung zu verhindern.

Eigentum an materiellen Gütern

[Alle Kommentare ausblenden] (85) Nun steht der Replikator, der beliebige materielle Güter auf Wunsch reproduzieren kann, im Gegensatz zur digitalen Kopie noch nicht zur Verfügung. Die technische Entwicklung auch auf diesem Sektor ist zwar teilweise nur noch schwer von Science Fiction zu unterscheiden - Maschinen, die Materie auf Atomebene gezielt manipulieren, gibt es immerhin schon -, bis zum universellen Materiekopierer ist aber noch ein weiter Weg.

[Alle Kommentare ausblenden] (86) Bis dahin unterliegen materielle Güter also anderen Gesetzen als Informationsgüter, da sie nicht mit wenig Aufwand aufgrund einer Vorlage reproduziert werden können. Könnten sie es, so wäre die Frage nach dem Eigentum an materiellen Gütern nicht mehr davon abhängig, wieviele Güter konkret zur Verfügung stehen. Vielmehr würden dann andere Faktoren wie Umweltverbrauch und ggf. Ressourceneinsatz entscheidende Faktoren werden.

Vorkommen, Begrenztheit, Knappheit

[Alle Kommentare ausblenden] (87) ToDo: Überarbeiten

[Alle Kommentare ausblenden] (88) Sprechen wir über Eigentum an irgendwelchen Gütern, so müssen wir immer auch über die Begriffe Vorkommen, Begrenztheit und Knappheit sprechen. Das Konzept des Eigentums macht wenig Sinn für Güter, die sowieso unbegrenzt zur Verfügung stehen: Das allgemeine Eigentum an Luft macht - bislang - noch keinen Sinn. Das Eigentum an Luft macht aber schon eher Sinn, wenn es sich um begrenzt vorhandene, spezielle Luft handelt - sei es Preßluft oder die gute Luft in einem Kurort. Aber wie sind die Verhältnisse genau?

[Alle Kommentare ausblenden] (89) Zunächst können wir das Vorkommen eines Guts betrachten. Hier ist das absolute Vorkommen gemeint, das jenseits menschlicher Existenz auf der Erde existiert. Die genaue Größe des Vorkommens eines Guts - insbesondere von Naturstoffen - kann dabei in den seltensten Fällen exakt bestimmt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (90) Tritt der Mensch hinzu, so ist ein Vorkommen begrenzt durch technische, soziale und andere Faktoren. Diese Begrenzungen, sind dabei nicht überhistorisch, sondern durch historische und gesellschaftliche Entwicklungen bestimmt. So ist z.B. Erdöl die meiste Zeit in der Geschichte des Menschen lediglich als Unrat betrachtet worden, während heute die begrenzte Menge an Erdöl zur Überlebensfrage eines bestimmten Zivilisationstyps wird. Das Verhältnis von Begrenztheiten zum absoluten Vorkommen ist einerseits durch die technischen Mittel bestimmt, die das Vorkommen real nutzbar machen (z.B. bestimmte Abbauverfahren bei Naturstoffen), andererseits kann es politische Entscheidungen geben, die die Nutzung erkannter Vorkommen verhindern (z.B. Schutz von Naturschutzgebieten).

[Alle Kommentare ausblenden] (91) Die Begrenztheit von materiellen Produkten ist wesentlich dadurch bestimmt, wieviele Produkte hergestellt werden können. In einer konkreten Situation spielt es weiterhin eine Rolle, ob die benötigten Produkte auch am gewünschten Ort zur Verfügung stehen. Da die Verfügungsmöglichkeit über Güter - der Besitz - für die Selbstentfaltung von erheblicher Bedeutung ist, ist die Begrenztheit von Produkten ein wichtiges Problem. Eine auf Selbstentfaltung ausgerichtete emanzipatorische Vision hat also das Problem zu lösen, wie Produkte in ausreichender Menge zu den Menschen kommen, die sie für ihre Selbstentfaltung benötigen. Die schiere Existenzsicherung muß hierbei als Teil von Selbstentfaltung gesehen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (92) Wie oben schon angedeutet ist Knappheit dagegen ein Begriff, der - zumindest in diesem Text - ein Entfremdungsverhältnis zum Nutzen des verknappten Guts beschreibt. Knappheit ist im Gegensatz zu Begrenztheit also ein Konzept, das in einer emanzipatorischen Vision keinen Platz hat. Als Quintessenz muß ein emanzipatorisches Projekt also die Knappheit beseitigen und Formen finden, wie mit weiter bestehenden Begrenztheiten umgegangen wird.

Eigentum und Automatisierung

[Alle Kommentare ausblenden] (93) Eine in der industriellen Phase sehr wichtige Größe für die Produktion war die Verfügbarkeit menschlicher Arbeitskraft. Daß diese Größe täglich unwichtiger wird, zeigen uns die epochalen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, bei dem menschliche Arbeitskraft auf historisch so hoher Stufenleiter durch Maschinen ersetzt wird, daß das gesamte, auf der Verwertung von Arbeitskraft gegründete System ins Wanken gerät.

[Alle Kommentare ausblenden] (94) Die Automatisierung von Produktion hebt also eine wesentliche Begrenztheit auf. Eine emanzipatorische Vision wird sie daher als Aspekt mit zentraler Bedeutung enthalten müssen. Spielt die Begrenztheit von Produkten eine immer kleinere Rolle, so spielt das Eigentum an ihnen ebenfalls eine immer kleinere Rolle. Dadurch wird ein Konfliktpotential entschärft, daß die bürgerliche Gesellschaft bis in ihre Wurzeln geprägt hat.

[Alle Kommentare ausblenden] (95) Tatsächlich stehen schon heute im Bereich des Rapid Prototyping zunehmend Maschinen (Fabber) zur Verfügung, die eine Automatisierung materieller Produktion auf einem ganz neuen Niveau ermöglichen. Diese Maschinen materialisieren mit verschiedenen Verfahren direkt aus digitalen Daten materielle Werkstücke. In ihrer Unmittelbarkeit und Universalität übertreffen sie dabei CNC-Maschinen und Industrieroboter, die ja ebenfalls aufgrund digitaler Daten materielle Werkstücke fertigen, um einiges. Die Losgröße Eins ist hier das Prinzip.

[Alle Kommentare ausblenden] (96) Schon heute gibt es zahlreiche Firmen, die auf der Grundlage solcher Maschinen Lohnproduktion betreiben (siehe z.B. http://www.rpd-news.de/). Es wäre denkbar, daß solche Maschinen zukünftig so einfach bedienbar werden, daß der Betrieb solcher Maschinen auch für Privatpersonen oder Gruppen von Privatpersonen attraktiv wird. Damit würden sie dezentral über die Möglichkeit verfügen, Produkte herzustellen, die exakt auf ihren Zweck zugeschnitten sind.