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Krieg ist Fortsetzung der Konkurrenz mit anderen Mitteln.
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Maintainer: Olaf Boerger, Version 1, 15.04.2003  Druckversion
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Status: Final

Krieg ist Fortsetzung der Konkurrenz mit anderen Mitteln.

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Frühjahr 2003 – ein neuer Krieg steht an. Gegen den Irak. Und wie immer taucht die Frage auf: Warum - und wer profitiert? Einhellige Antwort: Krieg um billiges Öl. Um das Kapital (also: die Kapitalisten) noch reicher und mächtiger zu machen. Die Ölmultis. Die Rüstungskonzerne. Die Banken. Und das natürlich wie gehabt als nationalimperiales Hegemonialgehacke. Soweit die Illusion (die durchaus auch in manchen “Macherköpfen“ umhergeistern mag).

Das Öl.

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Da wäre zunächst einmal das billige Öl. Das Hirngespinst diesbezüglich ist ein totales. Angesichts einer Auslandsverschuldung von 100 Mrd. $ sowie einer vollständig zerfallenen Infrastruktur ist massive ausländische Hilfe nötig (wie sich weiter unten zeigen wird: Fragt sich nur - Woher?). Allein 10 – 20 Mrd.$ für die Instandsetzung von Straßen, Spitälern, Wasserversorgung, Telekommunikationsnetzen, Elektrizitätsversorgung. Auch für die Wiederaufnahme der Erdölförderung und –exporte werden nach Angaben ausländischer Beobachter Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe notwendig sein. Die Förderanlagen sind total veraltet, und die zwei noch funktionierenden Raffinerien können ihren Betrieb nur noch mit Ersatzteilen aus stillgelegten Anlagen aufrechterhalten. Aber auch die zusätzlichen Tatsachen, dass trotz steigender Öl- und Benzinpreise die Erträge der Ölkonzerne um durchschnittlich 20% eingebrochen sind (Börsencrash – siehe auch Banken u. Rüstungskonzerne) und eine nie da gewesene transnationale Konzentration des Kapitals auch im Energiesektor (Fusionitis) ficht die Wahrnehmung der meisten Kriegsgegner nicht an.

Die Rüstung.

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Als nächstes Argument werden die Profitinteressen der Rüstungskonzerne angeführt. Doch von einer echten Kriegskonjunktur weit und breit keine Spur. Im Gegenteil. Flaute für Wunderwaffen. Weltweit brechen den Rüstungsschmieden aufgrund leerer Staatskassen die Aufträge weg. Darüber hinaus verschärfen massive Wertverluste infolge der kollabierten Akkumulationssimulation (Börsenkrach) die Situation noch zusätzlich. So verzeichneten die US-Konzerne trotz Irakkrise Wertverluste von durchschnittlich 20%. BAE Systems (Großbritannien), Europas größter Rüstungskonzern, machte 2002 satte 907 Mio. Euro Verlust, bei schrumpfenden Umsatz. Dazu kommen noch - wegen zweier auf der Kippe stehender Aufträge - in Aussicht gestellte Massenentlassungen. Auch die deutsche Rüstungsindustrie steckt in einer Existenzkrise. Seit dem Zusammenbruch des osteuropäischen Staatskapitalismus’ ist in der BRD die Zahl der “Arbeitsplätze“ in der Rüstungsindustrie von 280 000 auf 90 000 gesunken, und die - laut Meinung mancher - nach der Weltherrschaft greifende Bundeswehr weiß nicht, wie sie die vielen bestellten Panzer und Flugzeuge bezahlen soll. Durch die Finanznot des Bundes sehen sich die “Bürger in Uniform“ zunehmend in die Nähe von Söldnern gerückt – entsprechend der immer weiter vorangetriebenen Privatisierung (Outsourcing) militärischer Bereiche. Als I-Tüpfelchen beschloss das Verteidigungsministerium im Februar 2003 dann auch noch die Schließung weiterer Standorte (bis zu 40 Standorten droht das Aus) sowie weitere Budgetkürzungen. Aufgrund der rapide austrocknenden “Binnenmärkte“ kommt es auch im Rüstungssektor zu einer Transnationalisierung, d.h. einer zunehmenden Konzentration des Kapitals - ein historisch beispielloser Vorgang. So fiel 2002 das Filetstück der deutschen Werftindustrie – HDW (Kiel (U-Boote; Kampfschiffe)) an US-Investoren, um postwendend – zwecks “Kapazitätsanpassung“ - Mitte Februar 2003 die Entlassung von 750 der 3400 Mitarbeiter bekannt zu geben. Auch Rheinmetall und Kraus-Maffei-Wegmann sind über den Kauf der spanischen Rüstungsfirma Santa Barbara durch den US-Panzerhersteller General Dynamics transnational verknüpft. Santa Barbara baut in Lizenz von Kraus-Maffei den Leopard II. Ebenso drängt EADS (selbst schon ein transnationaler Konzern) aufgrund der Flaute auf dem “Heimat“- halt jetzt auf den “Weltmarkt“. Auch der (geplante) Bau zweier Flugzeugträger für die britische Marine, eines der größten Beschaffungsvorhaben (Auftragsvolumen: 4,4Mrd. Euro) seit dem zweiten Weltkrieg, wird wohl statt an BAE Systems an die französische Thales SA vergeben (“die Franzosen“ haben halt das günstigere Angebot eingereicht). Einzig der Erhalt von 10 000 “Arbeitsplätzen“ in “strukturschwachen“ schottischen Gebieten lässt die britische Regierung noch zaudern. Auch das gab es noch nie. Doch auch diese Tatsachen werden einfach ausgeblendet.

Die Banken.

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Vollständige Ignoranz auch in Hinsicht auf die “Interessen der Banken“. Das einzige, worüber die Banken noch verfügen, ist eine unvorstellbare Masse fauler Kredite. Wer möchte, kann sich an einer von der japanischen Opposition vorgeschlagenen Auktion für die faulen Kredite der japanischen Banken in Höhe von 43 000 Mrd. Yen (331Mrd. Euro) beteiligen. Bei genügend “Liquidität“ kann man auch gleich noch den US-Banken aus der Patsche helfen, die durch die Trivialverschuldung allein der US-Energiebranche in Höhe von 500Mrd. Dollar anfangen zu hyperventilieren. Und den um Hilfe rufenden deutschen Banken kann man dann natürlich auch noch ihre Multimilliardenlasten abnehmen. St. Martin hoch unendlich.

Die Toten.

[Alle Kommentare ausblenden] (5) Vollends absurd wird das ganze Spektakel auf der Ebene eines von allen Seiten beschworenen Hegemonialstrebens machtvoller, superreicher Nationalstaaten bzw. Nationalstaatsblöcke.Zunächst einmal die USA, die mit 32 000 000 000 000 (ja, ja BILLIONEN) Dollar Gesamtverschuldung, einem Staatshaushaltsrekorddefizit von 300Mrd. Dollar (2002), einem Außenhandelsrekorddefizit von 500Mrd. Dollar (2002), 38 Millionen Obdachlosen, fast 3 000 einsturzgefährdeten Brücken, kollabierende Versicherungen und Rentenfonds usw., usw. zwar tatsächlich die einzig verbliebene Weltmacht (historisch gesehen sogar die erste alleinige Weltmacht überhaupt (- aber auch die letzte)) sind, womit aber auch gleichzeitig deutlich wird, dass ein “Toter auf Urlaub“ die Welt dominiert. (Wer’s nicht “glauben“ mag, kann ja mal eine Autotour durchs Silicon Valley machen, sollte sich aber angesichts der Krater-Offroad-Straßen (ein Spiegelbild des Haushalts-KRATERS des US-Bundesstaates Kalifornien in Höhe von rund 35Mrd. Dollar) direkt ein paar Ersatzachsen einpacken.) Jedoch auch die imaginiert-realen Kontrahenten (oder dann doch wieder Verbündeten – ja, was denn nun?) sind zumindest “Tote in spe“. Mit dem Yen kollabiert derzeit eine Weltwährung. Mittlerweile gibt es in Japan mehr als 130 “Binnenwährungen“ (z.B. “Love“, “Peanuts“, “Bambus“ oder auch “Heizöfchen“). (Auch in den USA gibt es solche Regionalwährungen). “Groß“britannien – Massenarbeitslosigkeit, Deindustrialisierung, Zusammenbruch des (ohnehin schon kärglichen) staatlichen Rentensystems (13 Millionen Menschen sind von “Altersarmut“ bedroht) – aber auch die betrieblichen (privaten) Rentenfonds kollabieren (weitere Millionen Menschen vor dem Nichts), eine völlig marode Infrastruktur (hohe zweistellige Milliardensummen (von denen noch keiner so recht weiß, woher diese kommen sollen) für die Sanierung des Schienennetzes, zerfallender Schulen, etc.) und ein quasi nicht mehr vorhandenes Gesundheitssystem (inklusive Euthanasie für ältere oder “behinderte“ “Kostenfaktoren“). Und Deutschland? – Massenarbeitslosigkeit, de facto-Abschaffung des Grundgesetzartikels 72 (Inhalt: Festlegung gleicher Lebensbedingungen sowie der Rechts- und Wirtschaftseinheit), kollabierender Mittelstand (38% aller Betriebe verfügen über keinerlei Eigenkapital mehr), Liquidierung sämtlicher sozialer Sicherungssysteme (siehe Großbritannien), (Quasi-)Wiedereinführung der Folter, Einsatz des Militärs im Inneren, verfallende Infrastruktur (etwa 30 Mrd. Euro sind allein für die Sanierung der Schulen fällig), Kollaps der Kommunen, usw. usw.

Entweder gemeinsam Leben oder alleine Sterben-Rot oder Tod.

[Alle Kommentare ausblenden] (6) Angesichts all der bislang aufgelisteten Fakten, drängt sich unweigerlich der Verdacht auf, dass es sich um einen – wenn auch höchst realen – Gespensterkrieg handelt. Keiner der beteiligten Seiten kann konkret noch etwas “gewinnen“ (das schon immer beschworene Bild vom Krieg, bei dem “alle“ “verlieren“) bzw. hat eh schon “verloren“. (Nebenbei bemerkt: Die Kosten des Krieges und der nachfolgenden langjährigen Besetzung werden vorsichtig auf 200Mrd. bzw. 2 Billionen Dollar veranschlagt.) Das alles zeigt, dass der (vollkommen berechtigte und wünschenswerte) Widerstand gegen den Krieg die Ursachen und tatsächlichen (unbewussten) Intentionen vollkommen verkürzt reflektiert. Somit zurück zur Überschrift. Natürlich stellt der Irak weder ökonomisch (“konkurrenzfähige“ “Warenproduktion“ für den “Weltmarkt“) noch militärisch eine ernsthafte Konkurrenz dar. Wenn es sich also um einen Konflikt zwischen bankrotten, sich rapide zersetzenden Nationalstaaten handelt, bei dem das Kosten-Nutzen-Verhältnis jeder Beschreibung spottet, so muss es andere Gründe für diesen Krieg geben. Auch in der öffentlichen Diskussion wird dabei immer wieder der vielzitierte “Kampf gegen den Terror“ angeführt, um zu zeigen, dass “man(n)“ noch “Herr im eigenen Haus“ ist. So gut wie nie taucht jedoch die Frage auf, woher dieser wie Pilze aus dem Boden schießende Terror eigentlich kommt - ganz zu schweigen von der Frage, was das eigentlich für ein Haus ist und wie es in diesem aussieht.Die Antwort ist ganz banal: Das “Haus“ ist nichts anderes als die Summe aller auf dem “Weltmarkt“ konkurrierenden Nationalökonomien und befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Ein Großteil der sogenannten Nationen sind de facto nur noch im Atlas als eine solche Einheit zu betrachten: Ruanda, Somalia, Kongo, Russland, Afghanistan, Rumänien, Tschad, Sudan, Kolumbien, Tschetschenien, Nigeria, Liberia, Indonesien, Elfenbeinküste u.v.a. sind schon jetzt reale Horrorfilme mafiotischer oder reiner Plünderungsökonomien (obwohl von Ökonomie gar nicht mehr die Rede sein kann, da dieser Begriff ja eigentlich strukturierte Reproduktion bedeutet) – kurz gesagt: Apocalypse Now! Diese ehemaligen bzw. Restpostenstaaten sind bereits auf eben diesem “Weltmarkt“ vollständig niederkonkurriert worden (sie hatten halt nichts mehr “Äquivalentfähiges“ zu “tauschen“) , was zeigt, dass Konkurrenz (euphemistisch: Wettbewerb) auch den Umkehrschluss der Überschrift zulässt: KONKURRENZ IST FORTSETZUNG DES KRIEGES MIT ANDEREN MITTELN – also auch durchaus physische Vernichtung einschließt. Da diese Konkurrenz aber auch binnenökonomisch gesellschaftskonstituierend ist, bleibt bei Zusammenbruch der Reproduktionsfähigkeit nur noch eben dieser Gewaltkern der Konkurrenz als “Tauschmittel“ übrig – also Diktatur bzw. Zerfallskrieg - oder – im Falle des rien ne va plus - eben schiere Vernichtung, sprich: Terror bzw. Amok. Und somit wird klar, worum es in diesem Konflikt wirklich geht. Es ist der angstbeißerische, panisch-brutale (selber sowohl nach außen als auch nach innen schon in Richtung Terror abdriftende) Versuch, die im Zuge der DRITTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION (exorbitante Produktivkraftsteigerung) kollabierende Welttauschordnung aufrecht zu erhalten. Mit “Internationaler Solidarität“ ist da nichts mehr zu erreichen (Internationale Solidarität ist ein Widerspruch in sich – übersetzt hieße das: KRIEGERISCHER FRIEDEN). Die Antwort kann also nur noch lauten: UNMITTELBARE TRANSNATIONALE (GLOBALE) KOOPERATION!!! – BEREITSTELLUNGSWIRTSCHAFT STATT ÄQUIVALENTENTAUSCH!!! STOPPT DEN GLOBALEN AMOKLAUF.

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Quelle: http://www.opentheory.org/irakkrieg/text.phtml
(Last Software Update: 15.04.2003, 16:55)