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Maintainer: Thomas Uwe Grüttmüller, Version 1, 17.09.2000  Druckversion
Projekt-Typ:
Status: Final

[Alle Kommentare ausblenden] (1) Paper =====

Stefan Merten

[Alle Kommentare ausblenden] (2) Gnu/Linux - Meilenstein auf dem Weg in die GPL-Gesellschaft ===========================================================

[Alle Kommentare ausblenden] (3) Paper zum Vortrag auf dem LinuxTag '00 vom 29.6.00 bis 2.7.00 in Stuttgart --------------------------------------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (4) Aktuelle Version ständig unter http://www.oekonux.de ----------------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (5) 1. init 1: Zum Beitrag ======================

[Alle Kommentare ausblenden] (6) 1.1. Zur Einordnung -------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (7) Der Beitrag Gnu/Linux - Meilenstein auf dem Weg in die GPL-Gesellschaft versteht sich als ein Blick auf Work in Progress. Einige seiner Inhalte sind im Projekt Oekonux [http://www.oekonux.de] seit seiner Entstehung Mitte '99 diskutiert worden. Das Thema dieses Projekts deckt sich weitgehend mit dem Thema des Beitrags. Kern ist eine Mailing-Liste, die auf der Web-Site archiviert wird. Besonders nützlich ist der FAQ [http://www.oekonux.de/liste/faq.html], der die Debatte in der Mailing-Liste zusammenfaßt. Um ihre Mühe zu würdigen und um aktiv den Open-Source-Gedanken zu pflegen, folgt hier eine Liste von Mail-Adressen der Leute, die sich in der Oekonux-Mailing-Liste bereits zu Wort gemeldet haben:

[Alle Kommentare ausblenden] (8) a9655631@unet.univie.ac.at andersen@exozet.com Annette.Schlemm@t-online.de arnim@rupp.de B.Binder@DKFZ-Heidelberg.de benni@hera.rbi.informatik.uni-frankfurt.de Bettina.Berendt@educat.hu-berlin.de bhuber@special-net.de blasum@muc.de BrillZwerg@yahoo.de cr@iac-research.ch E.Kowallik@tu-bs.de erwin@hermes.zsi.at f.nahrada@magnet.at Frank.Oppenheimer@Informatik.Uni-Oldenburg.DE h0724elw@rz.hu-berlin.de hayoko@redseven.de henrik.motakef@ruhr-uni-bochum.de ingo@xhomie.de ingoh@schwaben.de j.jaeger@jpberlin.de j.merkel@tbx.berlinet.de karawane@mail.nadir.org kritinf@hotmail.com l.zyka@ping.at lagemann@telelogic.de lh@lutz-horn.de lorenz.glatz@blackbox.net lydia@zedat.fu-berlin.de micklei@fokus.gmd.de mweber@informatik.hu-berlin.de nussini@zedat.fu-berlin.de ohil@tequila.in-berlin.de pit@icf.de rainer15@ngi.de rf@rainer-fischbach.com schilling@berlin.snafu.de sievers@ips.cs.tu-bs.de sloyment@gmx.net smerten@dialup.nacamar.de spindler@unix-ag.uni-kl.de ss5@ophon.sax.de stefan.meretz@hbv.org steffi@nef.wh.uni-dortmund.de Thomas.Kalka@gmx.de torsten_woellert@web.de UlrichLeicht@t-online.de wonder.warthog@provi.de

[Alle Kommentare ausblenden] (9) Der Beitrag geht zunächst kurz auf krisenhafte Entwicklungen in unseren Gesellschaften[1] ein. In einem zweiten Teil wird herausgearbeitet, was das Besondere an Gnu/Linux[2] ist. Im abschließenden Teil lädt der Beitrag zu einem utopischen Blick auf eine GPL-Gesellschaft ein, in der wichtige Prinzipien der Gnu/Linux-Entwicklung gesellschaftlich relevant geworden sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (10) Das init in den Überschriften ist übrigens eine unter Unix gebräuchliche Nomenklatur für die sogenannten RunLevels. Diese bezeichnen den Systemzustand mit folgender Bedeutung.

[Alle Kommentare ausblenden] (11) RunLevel Bedeutung .................................. .................................. 0 Systemhalt 1 Einfaches System ohne Besonderheiten 2 System mit Netzwerk 3 System mit Netzwerk und grafischer Oberfläche 6 System wird heruntergefahren und neu gestartet

[Alle Kommentare ausblenden] (12) 1.2. Zum Autor --------------

[Alle Kommentare ausblenden] (13) Um die Einschätzung des Beitrags zu vereinfachen, möchte ich gerne kurz etwas zu meinem persönlichen Hintergrund sagen.

[Alle Kommentare ausblenden] (14) Ich habe Informatik studiert und arbeite seit 1992 als Diplom-Informatiker. Meine Beschäftigung mit Computern begann aber schon vor dem Studium mit einem ZX81.

[Alle Kommentare ausblenden] (15) Daneben bin ich nach einer längeren Pause seit 1989 politisch in verschiedensten Zusammenhängen aktiv. Meine politische Heimat ist der mit einer kräftigen Prise Marx'scher Analyse angereicherte Anarchismus. Zentral war und ist für mich eine tiefgehende Kritik am Bestehenden und die Suche nach gangbaren Alternativen.

[Alle Kommentare ausblenden] (16) Beide Einflüsse fanden sich schon vor einigen Jahren zu der Frage zusammen, ob allgemein die Entwicklung von Computern und speziell freie Software wie Gnu/Linux[3] eine gesellschaftliche Relevanz und vielleicht sogar gesellschaftsveränderndes Potential haben können. Dieser Beitrag ist also gewissermaßen ein Zwischenergebnis bei der Beantwortung dieser Frage.

[Alle Kommentare ausblenden] (17) 2. init 2: Arbeitsgesellschaft am Ende ======================================

[Alle Kommentare ausblenden] (18) Vorbemerkung: Dieser Abschnitt kann nur kursorisch auf wenige Aspekte dieses komplexen Themas eingehen. Eine eingehende und bedenkenswerte Auseinandersetzung mit dem Thema betreibt die Gruppe Krisis [http://www.magnet.at/krisis/]. Hier sollen nur einige Begriffe angerissen werden, die für unser Thema von besonderer Bedeutung sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (19) 2.1. Die wichtigsten Elemente der Arbeitsgesellschaft -----------------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (20) Unsere Gesellschaften sind durch Lohnarbeit gekennzeichnet[4]. Die Arbeit der Menschen tritt hierbei als abstrakte Größe auf: Für die Lohnarbeit spielt die Art und Weise ihres konkreten Ablaufs genausowenig eine Rolle wie das Produkt oder die Dienstleistung, die das Ergebnis der Tätigkeit darstellt. Diese Form der Tätigkeit rechtfertigt sich einzig dadurch, daß Arbeitskraft gegen Geld getauscht wird. Diese Abstraktion der Tätigkeit von ihren Inhalten und Zielen hat eine Entfremdung der Arbeitenden von ihrem eigenen Handeln zur Folge, daß am augenfälligsten in der Fließbandarbeit sichtbar wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (21) Eng verbunden mit diesem System abstrakter Lohnarbeit ist das Prinzip der Warenproduktion für einen Markt. Wirtschaftliches Handeln ist unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nur dann sinnvoll, wenn nach der Produktion der Tausch der Ware gegen Geld auf dem Markt gelingt. Auch hier findet also eine Abstraktion statt: Inhalt und Ziel wirtschaftlichen Handelns ist nicht primär ein bestimmtes Produkt, eine bestimmte Qualität oder ähnliche stoffliche Qualitäten, sondern die Erzielung von Tauschwert[5].

[Alle Kommentare ausblenden] (22) Zu beiden Prinzipien tritt wegen des Marktes das Konkurrenzprinzip hinzu, das die Akteure sowohl auf dem Warenmarkt als auch auf dem Arbeitsmarkt zueinander in (negative) Beziehung setzt. Auf der Seite der WarenproduzentInnen führt die Konkurrenz zur Notwendigkeit der Profitmaximierung. Bei der Erzielung von Profiten wird Lohnarbeit zwar eingesetzt, betriebswirtschaftliches Ziel einer jeden UnternehmerIn ist aber die Minimierung der Arbeitskräfte bei Beibehaltung der erzeugten Menge an Waren oder umgekehrt die Steigerung der erzeugten Warenmenge bei gleichbleibendem Arbeitskräfteeinsatz.

[Alle Kommentare ausblenden] (23) Historisch haben diese Faktoren dazu geführt, daß menschliche Arbeitskraft immer stärker und auf immer mehr Feldern durch den Einsatz von Maschinen ersetzt und damit überflüssig gemacht wurde. Es ist nur logisch, daß dieser Prozeß nur durch eine permanente Ausweitung der Märkte in Gang gehalten werden kann. Gelingt diese Ausweitung nicht, so treibt die Konkurrenz der WarenproduzentInnen letztlich dazu, die Lohnarbeit mehr und mehr ganz abzuschaffen - was wiederum nicht gut gehen kann, da die Erzielung von Profiten unlösbar mit dem Gebrauch von Lohnarbeit verbunden ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (24) Daß wir heute an diesem historischen Punkt angekommen zu sein scheinen, soll durch zwei allgemein bekannte Phänomene belegt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (25) 2.2. Massenarbeitslosigkeit und Börsenboom ------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (26) Seit Jahren wird immer deutlicher, daß der hohe Sockel an Arbeitslosigkeit nie mehr wird abgebaut werden können. Stattdessen wird zunehmend davon ausgegangen, daß die Massenarbeitslosigkeit weiter steigen wird[6]. Es zeigt sich, daß die Ersetzung menschlicher Arbeitskraft weiter zügig voran schreitet[7]. Bedenkt man, was durch den noch stärkeren Einsatz von Computern in großen Dienstleistungssektoren wie Banken oder Versicherungen[8] noch an Einsparpotential existiert, so muß vermutet werden, daß wir sogar erst am Anfang einer Entwicklung stehen[9].

[Alle Kommentare ausblenden] (27) Während die Massenarbeitslosigkeit also ständig zunimmt, bilden sich an den globalen Börsen immer neue spekulative Blasen. Nach klassischen kaufmännischen Kriterien unseriöse Firmen steigen wie Raketen an den Aktienmärkten auf - um oft genug wie Kometen wieder auf den Boden der wirtschaftlichen Tatsachen zurückzukommen. Fällt diese spekulative Blase teilweise in sich zusammen, so gehen schon mal ganze Staaten mit Millionen von Menschen über Bord wie das Beispiel Indonesien als größtes Opfer der Asienkrise deutlich zeigt. Auch an diesem Phänomen zeigt sich, wie das Geldkapital, das früher in neue Produktion reinvestiert wurde, heute offenbar nicht mehr in der Lage ist, durch eine Ausweitung der Produktion Gewinne zu erzielen, die über den (Kurs)Gewinnen liegen, die derzeit an der Börse zu erzielen sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (28) 2.3. Fazit ----------

[Alle Kommentare ausblenden] (29) Es gibt also Hinweise darauf, daß die Arbeitsgesellschaft und damit die auf Tausch basierende Vergesellschaftung an ihrem historischen Ende angekommen sind. Auch wenn dies zunächst vor allem als Zusammenbruchsszenario und also bedrohlich erscheint, so eröffnet es doch die Möglichkeit einer neuen Gesellschaft, die die Defizite der alten überwindet und endlich eine Gesellschaft ermöglicht, in der nicht abstrakte Prinzipien sondern das Wohlergehen aller Menschen auf diesem Planeten im Mittelpunkt stehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (30) 3. init 3: Das Besondere an Gnu/Linux =====================================

[Alle Kommentare ausblenden] (31) Die These des Beitrags lautet ja, daß Gnu/Linux ein Meilenstein auf einem Entwicklungsweg ist. Zu einem Meilenstein gehört, daß er gewisse Besonderheiten aufweist, die andere Produkte nicht aufweisen. GegnerInnen der Meilenstein-These versuchen immer wieder, Gnu/Linux in bekannte Schemata zu pressen[10] und damit dessen Bedeutung herunterzuspielen.

[Alle Kommentare ausblenden] (32) In diesem Abschnitt werden daher zwei typische Vergleiche mit bereits existierenden Produkten oder Phänomenen untersucht. Es wird herausgestellt, was an Gnu/Linux das Besondere ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (33) 3.1. Gnu/Linux ist nicht nur ein einfaches Hobby ------------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (34) Oft wird ins Feld geführt, daß es sich bei Gnu/Linux nur um ein Hobby[11] handeln würde und es als solches keine gesellschaftliche Relevanz haben könne. Zwar wird die Entwicklung freier Software nach wie vor vorwiegend als individuelles Hobby betrieben, das Ergebnis dieser Tätigkeit geht aber in den folgenden Aspekten weit über sonstige Hobby-Produkte[12] hinaus.

[Alle Kommentare ausblenden] (35) 3.1.1. Erheblicher gesellschaftlicher Nutzen --------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (36) Als umfangreiches Software-System, das ein Betriebssystem und zahllose Anwendungen umfaßt, ist Gnu/Linux für immer mehr Menschen ganz konkret im täglichen Einsatz nützlich. Betrachten wir die Entwicklung von Gnu/Linux, so zeigt sich sogar, daß die Nützlichkeit sowohl durch die Breite der möglichen Anwendungen als auch durch die konkrete Nutzbarkeit durch immer mehr Menschen permanent steigt. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen.

[Alle Kommentare ausblenden] (37) Gnu/Linux ist also ein Produkt mit erheblichem quantitativem und qualitativem gesellschaftlichen Nutzen. Damit unterscheidet es sich wesentlich von anderen in Hobby-Tätigkeiten hervorgebrachten Produkten, die zwar vielleicht in der Qualität, nicht aber in der Quantität mit warenförmiger Konkurrenz mithalten können und deren gesellschaftlicher Nutzen von daher deutlich beschränkter ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (38) 3.1.2. Direkte Konkurrenz zu Waren ----------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (39) Als nützliches und flächendeckendes Produkt steht Gnu/Linux in der Gunst der NutzerInnen in unmittelbarer Konkurrenz zu Waren, die von Mega-Unternehmen wie Microsoft hergestellt und verkauft werden. Zwar stehen auch andere Hobby-Produkte in Konkurrenz zu Waren - z.B. das Gemüse aus dem Schrebergarten zu dem Gemüse vom Markt -, trotzdem gibt es einige Besonderheiten.

[Alle Kommentare ausblenden] (40) Zunächst fällt auf, daß sich Gnu/Linux etablieren konnte, obwohl bereits ein umfangreiches Warenangebot auf seinem Sektor existierte. Aber damit nicht genug ist Gnu/Linux tendenziell dabei, die warenförmige Konkurrenz auszustechen und zu verdrängen[13].

[Alle Kommentare ausblenden] (41) Dies dürfte bislang noch keinem Hobby-Produkt gelungen sein. Im Gegenteil ist die normale Entwicklung die, daß die als Hobby begonnene Produktion über kurz oder lang von den HobbyistInnen selbst oder anderen in eine warenförmige Produktion verwandelt wird und damit für das Hobby-Produkt bestenfalls noch eine Nische bleibt.

[Alle Kommentare ausblenden] (42) 3.1.3. Gnu/Linux ist hochmodern -------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (43) Es fällt auf, daß die Entwicklung von freier Software mit hochmoderner Technik arbeitet. Nicht nur ist naturgemäß der Computer zentrales Arbeitsmittel, sondern darüberhinaus ist mit dem Internet die neueste Technik von existentieller Bedeutung. Die Entwicklung der Technik wird sogar in einzelnen Fällen durch Gnu/Linux vorangetrieben[14].

[Alle Kommentare ausblenden] (44) Damit unterscheidet sich Gnu/Linux wesentlich von normalen Hobby-Produkten, die im allgemeinen aus dem handwerklichen Bereich stammen. Mit Blick auf die gesellschaftliche Bedeutung von Gnu/Linux ist dies ein wichtiger Punkt, da sich an der jeweils aktuellen Spitzentechnologie und der Art ihres Einsatzes oft wichtige Trends ablesen lassen.

[Alle Kommentare ausblenden] (45) 3.1.4. Internationale Vernetzung --------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (46) Ein weiteres Kennzeichen von Gnu/Linux ist, daß es mit einer hohen internationalen Vernetzung entsteht. Menschen in allen Teilen der technisch gut ausgestatteten Welt[15] kooperieren über das Internet über alle Staatsgrenzen und kulturellen Schranken hinweg.

[Alle Kommentare ausblenden] (47) Nicht nur ist das für ein Hobby-Produkt einmalig, es dürfte auch multinationalen Konzernen mit ihrer gigantischen Infrastruktur und ihren milliardenschweren Möglichkeiten nur selten gelingen, eine so reibungslose und produktive internationale Kooperation hinzubekommen.

[Alle Kommentare ausblenden] (48) 3.1.5. Fazit ------------

[Alle Kommentare ausblenden] (49) Zwar stammt Gnu/Linux aus dem individuellen Hobby, es ist aber sowohl in der Art und Weise der Produktion als auch im hergestellten Produkt in vielen und wichtigen Aspekten längst über eine einfache Hobby-Produktion hinausgewachsen. Es kann also nicht mehr von einem Hobby gesprochen werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (50) 3.2. Gnu/Linux ist keine Ware -----------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (51) Gnu/Linux ist ein Produkt - eine Ware ist es deswegen aber nicht. Wesensmerkmal einer Ware ist, daß sie getauscht wird - gewöhnlich gegen Geld. Gnu/Linux wird aber im Prinzip nicht getauscht[16], sondern ist als Gut frei verfügbar[17].

Daß Gnu/Linux keine Ware ist, hat einige besondere Konsequenzen.

[Alle Kommentare ausblenden] (52) 3.2.1. Konkrete Gründe führen zu Gnu/Linux ------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (53) Wie bereits erwähnt zeichnet sich eine Ware dadurch aus, daß sie primär für den Verkauf hergestellt wird. Dies heißt insbesondere, daß Aspekte wie Qualität, Verschleißfreiheit oder Wartungsfreundlichkeit sekundär sind und spätestens dann uninteressant werden, wenn die Angebotsseite am Markt zu einem Anbietermonopol übergeht. Bestes und allseits bekanntes Beispiel dafür ist Microsoft[18].

[Alle Kommentare ausblenden] (54) Da Gnu/Linux nicht primär getauscht wird, mithin also die Erzielung von Profit nicht der (abstrakte) Antrieb für eine Entwicklungstätigkeit sein kann, können nur konkrete Gründe zu einer solchen Tätigkeit führen. Hier gibt es zwei Hauptgründe[19].

[Alle Kommentare ausblenden] (55) Einerseits ermöglicht der freie und selbstbestimmte Umgang mit Software eine Form von Selbstverwirklichung, wie sie Hobbies zu eigen ist. Daß hier die persönliche Leistung und vor allem der Stolz auf das Geschaffene im Vordergrund steht, ist sicher einer der Hauptgründe für die hohe Qualität eines erheblichen Teils freier Software. Gleichzeitig fällt durch den freien und selbstbestimmten Umgang mit Produktion auch die Entfremdung sowohl von der Tätigkeit als auch vom Produkt weg, die bei Lohnarbeit immer eine Rolle spielt. Die Abstraktion, die Lohnarbeit mit sich bringt, ist also aufgehoben.

[Alle Kommentare ausblenden] (56) Andererseits stehen bei der Produktion freier Software oft konkrete Probleme konkreter Menschen im Mittelpunkt[20]. Es wird nicht für einen anonymen Markt produziert, der erst im Nachhinein über die Verkaufbarkeit eines Produkts entscheidet, ob die Produktion sinnvoll war oder nicht. Die Abstraktion, die Warenproduktion mit sich bringt, ist also ebenfalls aufgehoben.

[Alle Kommentare ausblenden] (57) 3.2.2. Gnu/Linux ist nicht integrierbar ---------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (58) Bekanntlich sind erhebliche Teile von Gnu/Linux durch Lizenzen geschützt, die verhindern, daß die Quellen wieder unter Verschluß kommen. Diese einfache Tatsache ist der Hauptgrund dafür, daß es prinzipiell unmöglich ist, den riesigen freien Software-Kuchen wieder durch Privatisierung der Öffentlichkeit zu entziehen und so in die Warenwelt zu integrieren.

[Alle Kommentare ausblenden] (59) Daran ändern auch schlaue Geschäftsmodelle nichts, die aus der Produktion von freier Software Profite schlagen wollen. Es mag sein, daß es einigen wenigen Firmen wie Cygnus gelingt, über sekundäre Effekte Profit aus freier Software zu schlagen, es gilt aber der altbekannte, etwas abgewandelte Spruch:

[Alle Kommentare ausblenden] (60) Erst wenn der letzte freie Filter für ein Grafikformat geschrieben ist, erst wenn das letzte Desktop von KDE oder Gnome erobert ist, erst wenn auf der letzten Uralt-Exotik-Hardware Gnu/Linux läuft, dann werdet ihr begreifen, daß auf der GPL keine profitorientierte Wirtschaftsordnung aufgebaut werden kann.

[Alle Kommentare ausblenden] (61) 3.2.3. Ein Wort zu den Börsen-Hypes -----------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (62) Nach den Internet-Firmen ist es heute der Begriff Linux, der BörsianerInnen-Herzen höher schlagen läßt. Ähnlich wie schon bei dem Internet-Hype, der durch die Dot-Com-Firmen ausgelöst worden ist, handelt es sich hier aber um eine spekulative Blase, die früher oder später auf den Boden der wirtschaftlichen Tatsachen zurückkommen muß. Ist bei den Dot-Com-Hypes teilweise sogar noch ein letzter Rest von realwirtschaftlicher Vernunft festzustellen, so ist dies bei Firmen, die von der Produktion freier Software leben wollen, überhaupt nicht mehr nachvollziehbar.

[Alle Kommentare ausblenden] (63) Grundsätzlich besteht natürlich die Gefahr, daß durch solche Prozesse das Prinzip der Nicht-Warenförmigkeit von Teilen von Gnu/Linux leidet. Da aber gerade diese Nicht-Warenförmigkeit Vorteile gebracht hat, die durch eine Integration in marktförmige Strukturen sofort zerstört würden[21], halte ich dies nicht für eine reale Gefahr[22].

[Alle Kommentare ausblenden] (64) 3.2.4. Fazit ------------

[Alle Kommentare ausblenden] (65) Gnu/Linux ist also keine Ware und es kann auch keine werden. Diese Eigenschaft von Gnu/Linux hat wichtige Konsequenzen, die die Grundlage des Erfolges von Gnu/Linux bilden.

[Alle Kommentare ausblenden] (66) 3.3. Was ist Gnu/Linux dann eigentlich? ---------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (67) Nachdem wir also jetzt wissen, daß Gnu/Linux weder Hobby-Produkt noch Ware ist - was ist es denn dann? Es ist ein Produkt - soviel ist wohl klar. Allerdings ist es ein spezielles Produkt, dessen Art und Weise der Produktion über die hinlänglich bekannten Produktionsweisen hinausweist. Genau diese Eigenschaft ist es, mit der die Prinzipien von Gnu/Linux uns das Tor zu einer neuen Welt öffnen können.

[Alle Kommentare ausblenden] (68) Nach der bisher negativen Abgrenzung möchte ich noch einmal herausstellen, was das Positive an Gnu/Linux ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (69) 3.3.1. Freiwillige Tätigkeit statt Arbeit für den Chef ------------------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (70) Wie keine Ware entsteht Gnu/Linux auf freiwilliger Basis. Niemand sagt den Gnu/Linux-EntwicklerInnen was sie zu tun haben oder entlohnt sie in irgendeiner Form[23] für ihre Tätigkeit. Alles was diese Menschen tun, tun sie aus freien Stücken und aus durchaus individuellen Gründen. Kein Chef befiehlt ihnen was sie zu tun haben. Auch wenn sie sich einer Projektkoordination unterordnen, so geschieht dies auf freiwilliger Basis und aus Einsicht in deren Notwendigkeit.

[Alle Kommentare ausblenden] (71) Diese Freiwilligkeit ist ein entscheidender Unterschied zu entlohnten Tätigkeiten, bei denen diese Freiwilligkeit höchstens als willkommener Nebeneffekt auf Seiten des Arbeitgebers vorkommt, nie aber Zweck der Veranstaltung ist. Diese Freiwilligkeit hebt die in der Lohnarbeit übliche Entfremdung der ProduzentIn gegenüber ihrer Tätigkeit auf. Die ProduzentInnen gewinnen eine Macht über ihr eigenes Tun[24], die sie in Lohnarbeit prinzipiell nicht haben können.

[Alle Kommentare ausblenden] (72) 3.3.2. Lustprinzip statt sinnentleertem Schuften ------------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (73) Daß auf dieser freiwilligen Basis ein nützliches Produkt entsteht, kann demnach nur daran liegen, daß die EntwicklerInnen Lust haben, Gnu/Linux herzustellen. Diese Lust kann sich auf vielfältige Bereiche erstrecken. Die Lust am Programmieren[25] dürfte für alle EntwicklerInnen ein Grund sein, aber auch Lust an der Kommunikation mit anderen EntwicklerInnen und die Kooperation mit ihnen, auf die Verantwortung für ein wichtiges Projekt, darauf anderen Nützliches schenken zu können - die individuellen Gründe sind ausgesprochen vielfältig[26].

[Alle Kommentare ausblenden] (74) Diese Lust am Tun ist in der Lohnarbeit aber genausowenig vorgesehen wie die Freiwilligkeit[27]. Lohnarbeit ist nach ihrer Definition dadurch gekennzeichnet, daß die Entlohnten weder nach dem Inhalt ihres Tuns noch nach den Arbeitsbedingungen[28] fragen. Da der Lohn der entscheidende (abstrakte) Antrieb für die Tätigkeit ist, ist es auch nicht nötig, die (konkreten) Arbeitsinhalte oder die Arbeitsbedingungen besonders angenehm zu gestalten. Es reicht für Lohnarbeit völlig aus, daß die Arbeitenden[29] vor Unwillen nicht grob unproduktiv werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (75) Für die einzelne EntwicklerIn ist diese Lust am eigenen Tun der Antrieb, für andere Nützliches zu schaffen, und gleichzeitig die Quelle für die eigene Befriedigung. Eine darüber hinaus gehende Entlohnung ist also in der Art und Weise dieser Tätigkeit nicht angelegt und also - und das ist wirklich wichtig - das Tauschprinzip überwunden.

[Alle Kommentare ausblenden] (76) 3.3.3. Selbstorganisation statt Befehlston ------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (77) Auch wenn es eigentlich nach dem Gesagten auf der Hand liegt, soll trotzdem nochmal herausgehoben werden, daß die Tätigkeit für Gnu/Linux selbstorganisiert ist. Die EntwicklerInnen von Gnu/Linux können nicht nur, sie müssen dabei sogar Formen finden, in denen sie ihre kollektive Tätigkeit organisieren[30]. Es ist dabei offensichtlich möglich, daß Menschen ohne Anleitung von außen über Kultur- und Staatsgrenzen hinweg gemeinsam tätig werden, gemeinsam Spaß miteinander haben und dabei sich auch noch gemeinsam nützlich machen.

[Alle Kommentare ausblenden] (78) 3.3.4. Nützlichkeit statt Marktchancen --------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (79) Da Gnu/Linux von den EntwicklerInnen nicht verkauft wird, entfallen also alle monetären Gründe für die Entwicklung für Gnu/Linux. Betrachten wir jetzt einmal nicht die ProduzentInnen sondern das Produkt, so bleibt also allein der Nutzen des Produkts[31] als Motiv für seine Herstellung übrig. Nur unter diesen Bedingungen ist es möglich, daß Qualität in vielen Facetten zum zentralen Kriterium wird[32].

[Alle Kommentare ausblenden] (80) Wird eine Ware produziert, so muß diese eine Qualität erreichen, die gerade ihren Absatz nicht verhindert[33] - also eine relative Qualität. Es ist unter Marketing-Gesichtspunkten ja sogar hinderlich z.B. Langlebigkeit in ein Produkt einzubauen. Produktion für einen Markt hat also überhaupt keinen Anlaß so etwas wie eine absolute Qualität herzustellen.

[Alle Kommentare ausblenden] (81) Solche absolute Qualität kann aber aus den Gründen, die zu Gnu/Linux führen, durchaus entstehen, da die Lust daran, etwas möglichst Gutes herzustellen sicher eines der wichtigeren Antriebe für viele EntwicklerInnen ist.

[Alle Kommentare ausblenden] (82) 3.3.5. Kooperation statt Konkurrenz -----------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (83) Alle diese Aspekte führen dazu, daß in Gnu/Linux Konkurrenz nur in sehr beschränktem Umfang sinnvoll ist. Während in der Warenwelt eine unüberschaubare Anzahl mehr oder weniger gleicher Produkte künstlich unterscheidbar gemacht werden müssen[34], ist es in der Gnu/Linux-Szene eher unüblich, daß eine breite Konkurrenz entsteht. In vielen Fällen verschwinden gleichartige Konkurrenzprodukte nach und nach[35] - und sei es nur dadurch, daß sie nicht mehr weitergepflegt werden[36].

[Alle Kommentare ausblenden] (84) Dies ist kein Zufall, denn auch die EntwicklerInnen untereinander stehen ja nicht in einem Konkurrenzverhältnis. Im Gegenteil ist es vorteilhafter für alle Beteiligten, wenn die EntwicklerInnen zusammenarbeiten und sich gegenseitig befruchten - mithin die Vorteile von Kooperation nutzen.

[Alle Kommentare ausblenden] (85) 3.3.6. NutzerInnen statt KonsumentInnen ---------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (86) Aber selbst der Charakter der NutzerInnen ist ein anderer als das bei Waren übliche Konsumverhältnis. Dadurch, daß die NutzerInnen wissen, daß sie sich nicht grundsätzlich von den EntwicklerInnen unterscheiden, sind auch ihre Ansprüche tendenziell andere[37]. Wenn sie wissen, daß das Produkt auf freiwilliger Basis hergestellt wurde, werden sie eher nicht in die Anspruchshaltung gehen, die sie von einem gekauften Produkt her kennen. Stattdessen werden sie vielleicht sogar versuchen, bei der Weiterentwicklung mitzuhelfen - und sei es durch die Beschreibung von Fehlern, die ihnen aufgefallen sind, oder auch dadurch, daß sie sich neue Features wünschen.

[Alle Kommentare ausblenden] (87) 3.3.7. Fazit ------------

[Alle Kommentare ausblenden] (88) Die genannten Aspekte grenzen Gnu/Linux positiv von anderen Produkten ab. In ihrer Summe ergeben sie eine völlig andere Produktionsweise als die aus der Warenwelt gewohnte. Wie wir gesehen haben, hat dies weitreichende Auswirkungen sowohl auf die ProduzentInnen, als auch auf das Produkt, als auch eingeschränkt auf die NutzerInnen.

[Alle Kommentare ausblenden] (89) Wichtig ist auch, daß alle diese Aspekte eng miteinander verwoben und nicht voneinander trennbar sind. Dadurch ist es nicht möglich Gnu/Linux in die Warenwelt zu reintegrieren ohne seinen Erfolg zu zerstören.

[Alle Kommentare ausblenden] (90) Zusammengenommen ist dies schon sehr spannend. Der Erfolg, den Gnu/Linux gegenüber klassisch hergestellten Produkten hat, machen die Prinzipien von Gnu/Linux aber zu einer ernsthaften Alternative zu der klassischen Produktionsweise[38]. Damit ist Gnu/Linux ein Meilenstein auf dem Weg in eine neue Gesellschaft - die GPL-Gesellschaft!

[Alle Kommentare ausblenden] (91) 4. init 6: Die GPL-Gesellschaft ===============================

[Alle Kommentare ausblenden] (92) Nach diesen mehr analytischen Überlegungen hier nun eine Vision der GPL-Gesellschaft[39]. Es geht um eine Gesellschaft, die auf den Prinzipien beruht, die Gnu/Linux erfolgreich machen, und von denen einige wichtige eben beschrieben wurden. Die These ist, daß die GPL-Gesellschaft eine ist, in der die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt rücken, in der also nicht mehr blinde Mechanismen[40] wie der Markt die Menschen knechten anstatt ihnen zu dienen. Stattdessen werden die Menschen frei, ihre Beziehungen zueinander und zu den Dingen bewußt und nach freier Entscheidung zu gestalten.

[Alle Kommentare ausblenden] (93) An diese Vision, die vor allem eine Vorstellung davon geben soll, welches Potential in den Prinzipien von Gnu/Linux steckt, schließen sich einige Überlegungen zum Übergang an.

[Alle Kommentare ausblenden] (94) 4.1. Have a lot of fun... -------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (95) Wie könnte also eine Welt aussehen, die auf den Prinzipien von Gnu/Linux beruht? Nun, endgültig können wir das heute natürlich nicht sagen - zu viel ist ungewiß und manches wird durch neue Entwicklungen in neuem Licht betrachtet werden müssen. Die in den beiden folgenden Facetten geschilderten Elemente könnten aber wichtige Teile der GPL-Gesellschaft bilden.

[Alle Kommentare ausblenden] (96) 4.1.1. Güterversorgung ----------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (97) Wie Gnu/Linux bereits heute würden in der GPL-Gesellschaft materielle Güter allgemein bereit gehalten[41] bzw. bei Bedarf hergestellt. Bei Gütern, die leicht, schnell und unkompliziert - z.B. ausschließlich durch Maschinen - hergestellt werden könnten, könnte vermutlich auf Lagerhaltung im wesentlichen verzichtet[42] werden. Die produzierten Güter stünden allen unentgeltlich zur Verfügung, die sie benötigen. Würde ein heutiger Supermarkt als Verteilstelle genommen, so müßten vor allem die Kassen entfernt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (98) Die zur Verfügung stehenden Güter wären wie Gnu/Linux von hoher Qualität. Diese Qualität würde sich auf alle Aspekte eines Gutes beziehen. Es würden also nicht nur direkte Qualitätsmerkmale wie Benutzbarkeit, Flexibilität oder Wartbarkeit[43] eine Rolle spielen, sondern z.B. auch ökologische Gesichtspunkte wie z.B. Langlebigkeit und Ressourcenverbrauch bei Produktion und Benutzung könnten angemessen berücksichtigt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (99) Die Güter würden sich wie Gnu/Linux unmittelbar an den Bedürfnissen der potentiellen NutzerInnen[44] orientieren. Die Bedürfnisse der NutzerInnen würden im direkten Kontakt[45] mit den ProduzentInnen ermittelt und müßten nicht durch eine anonyme Instanz wie den Markt nachträglich vermittelt werden. Das würde auch die Palette der hergestellten Güter betreffen.

[Alle Kommentare ausblenden] (100) Wie Gnu/Linux schon heute würden die verfügbaren Güter es NutzerInnen tendenziell ermöglichen, eigenständig und selbstverantwortlich mit ihnen umzugehen. Die heute scharfe Trennung von ProduzentInnen, die über die Produktion verfügen, und KonsumentInnen, die lediglich Vorgefertigtes passiv konsumieren können, würde dadurch gelockert. Weiterhin würden Produktionsmaschinen auf breiter Basis zur Verfügung stehen[46], da mit ihrer Hilfe Menschen vollständig selbstbestimmt Güter herstellen könnten.

[Alle Kommentare ausblenden] (101) 4.1.2. Lust und Freiheit ------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (102) Wie für Gnu/Linux würden Menschen selbstbestimmt und freiwillig handeln. Sie würden je nach persönlichem Gusto und den vorliegenden Notwendigkeiten[47] der Muße nachgehen oder sich nützlich machen[48]. Oft würde beides miteinander kombiniert werden können, so daß die Grenze zwischen Freizeit und Arbeit verschwindet.

[Alle Kommentare ausblenden] (103) Die Maschinen würden in zahlreichen Aspekten verändert werden müssen[49], da die Orientierung auf Warenproduktion bis in die Konstruktion von Maschinen reicht. Es müßten Produktionsmaschinen gebaut werden, die entweder selbständig arbeiten können, oder an denen es Spaß macht tätig zu sein.

[Alle Kommentare ausblenden] (104) Vom Zwang zur Konkurrenz befreit[50] könnten die Menschen sich endlich die Freiheit nehmen, so zu kooperieren wie es ihnen gefällt. Ähnlich wie bei Gnu/Linux sind parallele Entwicklungen zwar durchaus denkbar, aber Kooperation zwischen verschiedenen Menschen oder Gruppen von Menschen würde dominieren. Konkurrenz - und damit ein permanenter Konfliktherd - wäre also nicht mehr wie heute fest in das gesellschaftliche System eingebaut. Die Qualität der produzierten Güter würde darunter dennoch nicht leiden, da ja nicht mehr der Zwang zur Vermarktung, der die Konkurrenz unabdingbar braucht, sondern die persönliche Lust der entscheidende Antrieb der Produktion wäre.

[Alle Kommentare ausblenden] (105) Auf der Basis von Kooperation für eine gemeinsame Sache könnten die Menschen nicht nur im produktiven Bereich wieder zu menschlichen Beziehungen zurückkehren - also solchen, die nicht durch Geld geprägt sind. Die Anerkennung für besondere Leistungen wird wieder direkt und unmittelbar erlebbar und äußert sich nicht nur in einer höheren Geldsumme. Menschen, die nicht mehr dazu gezwungen sind, einen Großteil ihrer Zeit mit inhaltlich sinnloser Arbeit zu vertun, sondern die selbstbestimmt sinnvoller Tätigkeit nachgehen können, haben viel weniger das Bedürfnis, sich irgendwelchen Ersatzbefriedigungen hinzugeben.

[Alle Kommentare ausblenden] (106) 4.2. Fahrkarten in die GPL-Welt -------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (107) Diese - zugegeben recht mutige - Vision steht und fällt natürlich mit der Verallgemeinerbarkeit der Prinzipien von Gnu/Linux. Eignen die Prinzipien von Gnu/Linux sich tatsächlich als Grundlage einer neuen Vergesellschaftungsform jenseits von Geld und Markt, so sollten diese sich wegen ihrer Überlegenheit zumindest bis zu einem gewissen Grad von alleine durchsetzen. Es wäre also zu beobachten, ob die Prinzipien von Gnu/Linux in anderen Bereichen als der Software-Entwicklung ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Dabei ist es sinnvoll, zwischen Informationsgütern und materiellen Gütern zu unterscheiden.

[Alle Kommentare ausblenden] (108) 4.2.1. Let's rock! ------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (109) Ein interessantes Phänomen spielt sich derzeit in der Musikbranche ab. Mehrere Faktoren spielen hier zusammen. Zunächst wurde eine Basiserfindung[51] gemacht, nämlich effektive und hochqualitative[52] Kompressionsalgorithmen für Audiodaten - allen voran MP3.

[Alle Kommentare ausblenden] (110) Ebenso wichtig war offenbar die breite Verfügbarkeit[53] dieses Algorithmus. So ist mindestens der Dekompressionsalgorithmus frei verfügbar und bald gab es für alle relevanten Betriebssysteme Abspielprogramme. Aber auch die Prinzipien der Kompression sind zumindest in den Grundzügen frei verfügbar, so daß mittlerweile auch dafür freie Implementierungen[54] existieren, die mittlerweile ebenfalls hohe Qualitätsstandards erreichen.

[Alle Kommentare ausblenden] (111) Zu all dem kommt natürlich noch das Internet hinzu, das die flächendeckende, leichte und preiswerte Verteilung von Musik im MP3-Format überhaupt erst erlaubt. Mittlerweile gibt es ganze Web-Sites [http://www.mp3.com], die sich ausschließlich der Verbreitung von MP3-kodierter Musik widmen.

[Alle Kommentare ausblenden] (112) Diese drei ineinandergreifenden Entwicklungen lösen eine Dynamik aus, die der von Gnu/Linux nicht unähnlich ist. Herkömmlichen - und damit marktförmigen - Verteilungsweisen von Musik wächst eine ernsthafte Konkurrenz[55] heran. Die Musikindustrie als einer der Hauptnutznießer des bisherigen Vermarktungssystems gerät auch umgehend in leichte Panik und setzen alles daran, diese Entwicklung zu unterbinden[56] oder notfalls zu beherrschen. Die Entwicklung von Gnu/Linux vor Augen läßt sich aber absehen, daß diese Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt sein werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (113) Spannend ist auch, wie die MusikerInnen als andere wichtige Nutznießer des bisherigen Vermarktungssystems dieser Entwicklung sehr ambivalent gegenüber stehen. Während manche sich auf den Standpunkt der Musikindustrie stellen und die Entwicklung verteufeln, beginnen andere damit, diese neue Form für sich zu nutzen. Darunter befinden sich Größen wie David Bowie und die Toten Hosen aber vor allem zahllose unbekannte MusikerInnen, die dies als einfache Möglichkeit sehen, ihre Kunst[57] - auch kostenlos - einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen. Auch hier sind deutliche Parallelen zu Gnu/Linux[58] zu erkennen.

[Alle Kommentare ausblenden] (114) Nun, die letzte Schlacht in dieser Auseinandersetzung ist sicher noch lange nicht geschlagen und die Ausgangssituation ist in der Welt der Musik sicher eine andere als in der der Software. Aber es gibt auch hochinteressante Parallelen und sollte sich ein freies MP3 weiter durchsetzen, so ist dies ein weiterer Schritt in die Richtung, die Gnu/Linux schon so erfolgreich vorexerziert und damit ein weiterer Baustein für die GPL-Gesellschaft.

[Alle Kommentare ausblenden] (115) 4.2.2. Internet kontra Profite ------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (116) Von vielen interessierten Seiten wird behauptet - und hartnäckig geglaubt -, daß das Internet einen neuen Profitschub[59] auslöst. Allgemein wird davon ausgegangen, daß durch das Internet nicht nur (netto) neue Arbeitsplätze entstehen, sondern sich auch hervorragend Geschäfte machen lassen. Dabei lassen sich die Gläubigen auch durch Fakten wie z.B. die permanenten roten Zahlen der allermeisten Internet-Firmen nicht aus der Ruhe bringen.

[Alle Kommentare ausblenden] (117) Die Realität gibt diesen Glauben - zumindest bislang - allerdings nicht her. Von ganz wenigen Ausnahmen[60] abgesehen gibt es keine Beispiele, in denen sich im Internet eigenständige kommerzielle Angebote[61] entwickelt haben. Die bekannten Buchverkäufer wie amazon.com oder bol.de z.B. betreiben das Internet ja lediglich neben ihrem angestammten Geschäftsbereich[62]. Bislang ist also kein Geschäft bekannt, wozu das Internet die unabdingbare Grundlage wäre[63].

[Alle Kommentare ausblenden] (118) Daß das Internet, das ja das nicht-kommerzielle Gnu/Linux erst ermöglicht hat, kommerziellen Bemühungen gegenüber sich derart störrisch verhält, ist aber nicht der Unfähigkeit der Akteure oder mangelnder Infrastruktur zuzuschreiben. Vielmehr gibt es einen fundamentalen Grund, der eine Einbindung des Internet in den marktförmigen Verwertungsprozeß so sehr erschwert, daß sie in der Praxis nicht mehr funktioniert.

[Alle Kommentare ausblenden] (119) Das Internet ist nämlich die Globalisierung in ihrer reinsten Form[64]. Im Internet sind alle weltweiten Anbieter einer Ware buchstäblich nur noch einen Mausklick voneinander entfernt. Diese extreme Globalisierung hat entscheidende Folgen.

[Alle Kommentare ausblenden] (120) Einerseits wird durch diese Globalisierung die Konkurrenz zwischen verschiedenen Anbietern so sehr verschärft, daß sehr schnell nur noch der Preis Null[65] konkurrenzfähig ist. Auf einen Preis Null läßt sich aber außer durch eine indirekte Finanzierung durch Werbung oder Mischfinanzierungen bekanntlich kein Geschäft aufbauen.

[Alle Kommentare ausblenden] (121) Andererseits ermöglicht die weltweite Verfügbarkeit und praktisch unbegrenzte Kapazität[66] des Internet einem Anbieter eine Präsenz gegenüber potentiellen KundInnen, die im marktwirtschaftlichen Alltag undenkbar ist. Dies führt dazu, daß ganz wenige Firmen[67] ausreichen, um mit ihren Angeboten einen weltweiten Bedarf[68] zu befriedigen.

[Alle Kommentare ausblenden] (122) Unter diesen Voraussetzungen sind eigenständige kommerzielle Angebote im Internet dauerhaft bestenfalls für Anbieter möglich, die ein weltweit einzigartiges Produkt anbieten. Das Internet als solches ist daher vielleicht eine der wichtigsten Grundlagen für die GPL-Gesellschaft.

[Alle Kommentare ausblenden] (123) 4.2.3. Stand der industriellen Produktion -----------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (124) Die Arbeitslosigkeit, die in unserer heutigen Gesellschaftsform als tiefgreifende Krise wahrgenommen werden muß, ist nicht unwesentlich durch den Entwicklungsstand der industriellen Produktion[69] verursacht. Es ist also schon heute so, daß für die Herstellung von nützlichen Dingen immer weniger Menschen benötigt werden.

[Alle Kommentare ausblenden] (125) Zudem verschiebt sich die Tätigkeit der noch in der Industrie beschäftigten Menschen von stupiden und monotonen Arbeiten immer weiter zu kontrollierenden, überwachenden und steuernden, aber auch verwaltenden, planenden und wissenschaftlichen Tätigkeiten[70]. Gerade im Bereich der Software reichen die Tätigkeiten[71] sogar schon heute bis in den künstlerischen Bereich.

[Alle Kommentare ausblenden] (126) Die industrielle Produktion hat also schon heute einen Entwicklungsstand erreicht, der die nahezu menschenfreie Produktion[72] möglich erscheinen läßt. Gleichzeitig verändert sich der Charakter der verbleibenden Tätigkeiten hin zu solchen, die mit Lust ausgeführt werden können. Die Voraussetzungen für einen Übergang in die GPL-Gesellschaft wachsen also schon seit längerem heran.

[Alle Kommentare ausblenden] (127) 4.2.4. GPL-Produkte -------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (128) Ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die GPL-Gesellschaft wäre die Übertragung der GPL auf andere Produkte als Software. Während diese Übertragung für Informationsprodukte bereits stattfindet[73] und natürlich auch relativ leicht zu bewerkstelligen ist, steht ein solcher Schritt für materielle Produkte noch aus[74].

[Alle Kommentare ausblenden] (129) Die Übertragung auf materielle Produkte fällt schwerer, weil sie nicht so einfach wie Information kopiert[75] werden können. Genauer gesagt besteht die Produktion eines materiellen Guts auch nicht aus dem Kopieren eines bereits bestehenden Produkts, sondern ein materielles Gut wird mit zuweilen spezialisiertem Werkzeug und unter Anwendung spezieller Algorithmen hergestellt. Der Vorgang der Produktion materieller Güter unterscheidet sich also erheblich vom Vorgang des abstrakten Kopierens wie mit einem cp-Befehl, der eine Datei völlig beliebigen Inhalts dupliziert[76].

[Alle Kommentare ausblenden] (130) Wenn die Kopierbarkeit digitaler Informationen also Gnu/Linux erst ermöglicht hat, so müßte eine Übertragung der Prinzipien von Gnu/Linux auf materielle Produkte einhergehen mit dieser einfachen Kopierbarkeit bzw. Herstellung. Nun geistert der Multiduplikator zwar immer wieder durch verschiedenste Science Fiction, die technische Entwicklung ist aber heute von deren Funktionsprinzipien noch weit entfernt.

[Alle Kommentare ausblenden] (131) Ein Schritt in diese Richtung könnte aber sein, daß Universalmaschinen gebaut werden, die computergesteuert mehr oder weniger beliebige Werkstücke herstellen können. Erste Entwicklungen in diesem Bereich sind tatsächlich schon in Betrieb. So gibt es bereits Maschinen, die mit Hilfe von Laser und speziellen Materialien vollautomatisch ein dreidimensionales Werkstück erzeugen, mit dem dann weitergearbeitet werden kann. Eine solche Maschine ist also quasi ein Universalmaterialisator[77] von Werkstücken. Mit einer solchen Maschine können die für die GPL-Gesellschaft entscheidenden Eigenschaften von Informationen auf materielle Güter übertragen werden[78], so daß solche Maschinen die Basis der Produktion in einer GPL-Gesellschaft sein könnten.

[Alle Kommentare ausblenden] (132) 4.2.5. Informationsgesellschaft auf den Begriff gebracht --------------------------------------------------------

[Alle Kommentare ausblenden] (133) Seit Jahren geistert der Begriff der Informationsgesellschaft durch die Medien, die auch als postindustrielle Gesellschaft bezeichnet wird. Leider bleibt gerade beim letzteren Begriff seltsam offen, was denn das entscheidende Charakteristikum dieser Gesellschaft nun sein soll. Die GPL-Gesellschaft und ihre Prinzipien könnten nun diesen Begriff mit Inhalt füllen.

[Alle Kommentare ausblenden] (134) In den vorindustriellen Agrargesellschaften war die Subsistenzproduktion von Gütern für den unmittelbaren Lebensbedarf die entscheidende Konstante. In der industriellen Gesellschaft wurde diese agrargesellschaftliche Konstante durch die allgemeinere materielle Produktion von Waren abgelöst und die Produktion von Gütern für den unmittelbaren Lebensbedarf wurde zunehmend zum reinen Anhängsel der industriellen Produktion[79]. Die gesamte Gesellschaft wurde durch diesen Wechsel in der Produktionsweise so entscheidend geprägt, daß von einem historischen Epochenbruch gesprochen werden muß.

[Alle Kommentare ausblenden] (135) In der GPL- bzw. Informationsgesellschaft würde nun wiederum die Produktion von Waren zum bloßen Anhängsel[80] der Produktion von Informationen. Die Gesellschaft würde also von den Prinzipien der Produktion von Informationen bestimmt - deren erstes Beispiel Gnu/Linux ist. Ein solcher Umbruch wäre in der Tat ein erneuter Epochenbruch von wahrhaft historischer Dimension.

[Alle Kommentare ausblenden] (136) A. Copyright ============

Copyright (c) 2000 Stefan Merten.

[Alle Kommentare ausblenden] (137) Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the GNU Free Documentation License, Version 1.1 or any later version published by the Free Software Foundation; with the Invariant Sections being Copyright, with the Front-Cover Texts listed in the section entitled Front Cover, and with no Back-Cover Texts. A copy of the license is included in the section entitled GNU Free Documentation License.

[Alle Kommentare ausblenden] (138) B. GNU Free Documentation License =================================

[Alle Kommentare ausblenden] (139) GNU Free Documentation License Version 1.1, March 2000

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[Alle Kommentare ausblenden] (161) You may add a section entitled "Endorsements", provided it contains nothing but endorsements of your Modified Version by various parties--for example, statements of peer review or that the text has been approved by an organization as the authoritative definition of a standard.

[Alle Kommentare ausblenden] (162) You may add a passage of up to five words as a Front-Cover Text, and a passage of up to 25 words as a Back-Cover Text, to the end of the list of Cover Texts in the Modified Version. Only one passage of Front-Cover Text and one of Back-Cover Text may be added by (or through arrangements made by) any one entity. If the Document already includes a cover text for the same cover, previously added by you or by arrangement made by the same entity you are acting on behalf of, you may not add another; but you may replace the old one, on explicit permission from the previous publisher that added the old one.

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5. COMBINING DOCUMENTS

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[Alle Kommentare ausblenden] (166) In the combination, you must combine any sections entitled "History" in the various original documents, forming one section entitled "History"; likewise combine any sections entitled "Acknowledgements", and any sections entitled "Dedications". You must delete all sections entitled "Endorsements."

6. COLLECTIONS OF DOCUMENTS

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8. TRANSLATION

[Alle Kommentare ausblenden] (171) Translation is considered a kind of modification, so you may distribute translations of the Document under the terms of section 4. Replacing Invariant Sections with translations requires special permission from their copyright holders, but you may include translations of some or all Invariant Sections in addition to the original versions of these Invariant Sections. You may include a translation of this License provided that you also include the original English version of this License. In case of a disagreement between the translation and the original English version of this License, the original English version will prevail.

9. TERMINATION

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10. FUTURE REVISIONS OF THIS LICENSE

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ADDENDUM: How to use this License for your documents

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[Alle Kommentare ausblenden] (177) If you have no Invariant Sections, write "with no Invariant Sections" instead of saying which ones are invariant. If you have no Front-Cover Texts, write "no Front-Cover Texts" instead of "Front-Cover Texts being LIST"; likewise for Back-Cover Texts.

[Alle Kommentare ausblenden] (178) If your document contains nontrivial examples of program code, we recommend releasing these examples in parallel under your choice of free software license, such as the GNU General Public License, to permit their use in free software.

[Alle Kommentare ausblenden] (179) C. Front Cover ==============

Gnu/Linux - Meilenstein auf dem Weg in die GPL-Gesellschaft

[Alle Kommentare ausblenden] (180) von Stefan Merten

Aktuelle Version zu finden unter http://www.oekonux.de.

[Alle Kommentare ausblenden] (181) D. Referenzen =============

o Projekt Oekonux [http://www.oekonux.de]

[Alle Kommentare ausblenden] (182) o FAQ zu Oekonux [http://www.oekonux.de/liste/faq.html]

o Gnu [http://www.gnu.org]

[Alle Kommentare ausblenden] (183) o Gruppe Krisis [http://www.magnet.at/krisis/]

[Alle Kommentare ausblenden] (184) o Homesteading the Noosphere [http://www.tuxedo.org/~esr/writings/homesteading/]

o Debian [http://www.debian.org]

[Alle Kommentare ausblenden] (185) o Die doppelte algorithmische Revolution des Kapitalismus [http://www.kritische-informatik.de/algorev.htm]

[Alle Kommentare ausblenden] (186) o Software-Guerilla oder mehr? Die Linux-Story als Beispiel für eine gesellschaftliche Alternative [http://www.kritische-informatik.de/linuxsw.htm]

o GPL [http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html]

[Alle Kommentare ausblenden] (187) o Why "Free Software" is better than "Open Source" [http://www.gnu.org/philosophy/free-software-for-freedom.html]

o Open Content License [http://opencontent.org/opl.shtml]

[Alle Kommentare ausblenden] (188) o Free Documentation License [http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html]

o Freedom CPU (F-CPU) [http://www.f-cpu.org/]

[Alle Kommentare ausblenden] (189) Version: $Id: vortrag.sdf,v 1.25 2000/06/12 21:31:08 stefan Exp $

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[Alle Kommentare ausblenden] (190) [1] Mit unseren Gesellschaften sind die Gesellschaftsformationen gemeint, die in Westeuropa, Nordamerika und Japan voll entwickelt sind.

[Alle Kommentare ausblenden] (191) [2] Ich verwende durchgängig die Bezeichnung Gnu/Linux anstatt des gebräuchlichen Linux um auf die Bedeutung der Gnu-Bewegung [http://www.gnu.org] hinzuweisen, ohne die ein auf dem Linux-Kern basierendes freies Betriebssystem nicht denkbar wäre.

[Alle Kommentare ausblenden] (192) [3] Im folgenden werde ich den Begriff Gnu/Linux synonym für freie Software allgemein verwenden. Den Begriff Open Source verwende ich übrigens nicht so gerne, da in diesem der Versuch mitschwingt, das Potential, das in Gnu/Linux steckt, wegzudefinieren. Eine Diskussion liefert Richard Stallmann in Why "Free Software" is better than "Open Source" [http://www.gnu.org/philosophy/free-software-for-freedom.html].

[Alle Kommentare ausblenden] (193) [4] Natürlich gibt es auch in unseren Gesellschaften Tätigkeiten, die gewöhnlich als Arbeit bezeichnet, aus verschiedenen Gründen aber nicht entlohnt sind. Auch wenn diese Tätigkeiten für das Überleben der Gesellschaft unerläßlich sind, spielen sie im gesellschaftlichen Prozeß doch eine untergeordnete Rolle.

[Alle Kommentare ausblenden] (194) [5] Für Privatleute ist der Tauschwert zudem nur dann von Interesse, wenn er den selbst für die Produktion eingesetzten Tauschwert übersteigt. Die UnternehmerIn muß also Gewinn machen.

[Alle Kommentare ausblenden] (195) [6] Selbst in den Gewerkschaften setzt sich nach und nach die Erkenntnis durch, daß Vollbeschäftigung wie noch in den 70er Jahren nie mehr möglich sein wird.

[Alle Kommentare ausblenden] (196) [7] Gegen diese Gesetzmäßigkeit sind PolitikerInnen übrigens machtlos - auch wenn sie uns permanent anderes weis machen wollen.

[Alle Kommentare ausblenden] (197) [8] Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Deutsche Bank mit ihrem massenhaften Verlust an Arbeitsplätzen mag hier als aktuelles Beispiel dienen.

[Alle Kommentare ausblenden] (198) [9] Nach der Theorie ist diese Entwicklung nur zu stoppen, wenn eine erneute Marktausweitung gelingt, also eine neue, arbeitsintensive und gleichzeitig für große Massen interessante Ware gefunden wird, wie in der Mitte des 20. Jahrhunderts das Automobil. Zwar ist eine solche Ware nicht prinzipiell ausgeschlossen, aber sie ist nicht in Sicht.

[Alle Kommentare ausblenden] (199) [10] Besonders hervorgetan hat sich auf diesem Gebiet der in der Gnu/Linux-Szene sehr bekannte Eric S. Raymond, der vor allem mit seinem Papier Homesteading the Noosphere [http://www.tuxedo.org/~esr/writings/homesteading/] versucht hat, die Entwicklung von Gnu/Linux in hergebrachte marktwirtschaftliche Formen zu pressen.

[Alle Kommentare ausblenden] (200) [11] Unter Hobby soll hier eine Tätigkeit verstanden werden, die mit freiwilliger und selbstbestimmter Anstrengung verbunden ist. Ob dabei ein greifbares Produkt entsteht ist im allgemeinen zwar zweitrangig, in unserem Zusammenhang aber sind vor allem solche produktiven Hobbies von Interesse.

[Alle Kommentare ausblenden] (201) [12] Das eventuelle Produkt eines Hobbies unterscheidet sich von einer Ware in erster Linie durch die Zweckbestimmung des Produktionsprozesses. Während bei der Produktion von Waren das abstrakte Ziel des Verkaufens den Hauptantrieb bildet, ist die Produktion eines Hobby-Produkts durch Selbstverwirklichung der ProduzentIn und eventuell eine unmittelbare Nützlichkeit des Produkts gekennzeichnet.

[Alle Kommentare ausblenden] (202) [13] Am augenfälligsten dürfte dies heute im Bereich der Server sein, in denen Gnu/Linux dabei ist, das von Microsoft in diesem Sektor positionierte Windows NT zu überrunden. Die Entwicklung auf dem Desktop geht nach meiner Überzeugung in eine ähnliche Richtung.

[Alle Kommentare ausblenden] (203) [14] Als Beispiel sei hier das CVS-System [http://www.cyclic.com/] erwähnt, daß erst mit dem breitflächigen Einsatz in der Gnu/Linux-Entwicklung zu dem Tool herangereift ist, als das wir es heute kennen.

[Alle Kommentare ausblenden] (204) [15] Daß die Entwicklung freier Software eine Tätigkeit ist, die in den Ländern der III. Welt zumindest in der Masse praktisch nicht stattfindet, kann in diesem Rahmen nicht weiter erörtert werden. Es sei aber darauf hingewiesen, daß sowohl die Kostenlosigkeit von Gnu/Linux als auch die Verfügbarkeit des Source-Codes den Ländern der III. Welt Chancen bietet, die diese auch allmählich zu nutzen beginnen.

[Alle Kommentare ausblenden] (205) [16] Daß Distributionen von Gnu/Linux von Firmen wie SuSE [http://www.suse.de] oder RedHat [http://www.redhat.com] gegen Geld verkauft werden, ist kein Widerspruch gegen dieses Prinzip. Die Abwesenheit des Tauschprinzips geht auf diesem Sektor sogar so weit, daß es möglich und legal ist, eine eigene, für den Verkauf vorgesehene Distribution auf einer anderen solchen Distribution aufzusetzen.

[Alle Kommentare ausblenden] (206) [17] Mit den Einschränkungen des technischen Zugangs gilt dies sogar für eine komplette Distribution: Debian [http://www.debian.org].

[Alle Kommentare ausblenden] (207) [18] Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß eine Feindschaft gegenüber Microsoft bei nicht wenigen Gnu/Linux-VerfechterInnen emotional eine Rolle spielt. Allerdings macht Microsoft es seinen NutzerInnen mit seinen Produkten auch nicht gerade schwer, sich ein solches Feindbild zuzulegen ;-) .

[Alle Kommentare ausblenden] (208) [19] Auf die vieldiskutierte Anerkennungsökonomie soll hier nicht ausführlich eingegangen werden. Im Kern halte ich diese Theorie aber für den verzweifelten Versuch, das Phänomen freier Software in kapitalistisch verstehbare Kategorien zu pressen.

[Alle Kommentare ausblenden] (209) [20] Viele freie Software-Projekte haben ihre Wurzel sogar darin, daß ein einzelner Mensch ein ganz konkretes Problem lösen wollte, es für sich getan hat und sich seine Lösung auch für andere als nützlich erwiesen hat.

[Alle Kommentare ausblenden] (210) [21] Zur Unvereinbarkeit des Entwicklungsmodells von Gnu/Linux mit kapitalistischen Strukturen hat Stefan Meretz u.a. mit Die doppelte algorithmische Revolution des Kapitalismus [http://www.kritische-informatik.de/algorev.htm] wichtige Beiträge geleistet.

[Alle Kommentare ausblenden] (211) [22] Immerhin scheinen das ja au